Verhaltensweisen, die zu Beziehungsproblemen und Beziehungskrisen führen

Beziehungsprobleme sind oft die Folge von Verhaltensweisen des einen oder beider Partner. Die häufigsten Verhaltensweisen die zu Problemen führen.

Verhaltensweisen, die zu Beziehungsproblemen und Beziehungskrisen führen
© Thomas Kinto, unsplash.com

Die 9 häufigsten Verhaltensweisen, die zu Beziehungsproblemen zwischen Paaren führen. Die meisten Menschen streben, wenn man sie direkt danach fragt, nach einer friedlichen, liebevollen und harmonischen Partnerschaft und Liebesbeziehung. Doch bewusst oder unbewusst verhalten sie sich so, dass sie Beziehungsprobleme bekommen oder die Partnerschaft zerstören. Ich möchte Ihnen deshalb die neun häufigsten schädlichsten Verhaltensweisen (No-Gos) beschreiben, die zu Beziehungsproblemen führen und eine friedliche und liebevolle Partnerschaft auf Dauer unmöglich machen.

No-Go 1: Abwertung und Missachtung des Partners

Dies äußert sich darin, dass wir unseren Partner kritisieren, beschimpfen, ständig in seinen wunden Punkten bohren, seine Bedürfnisse nicht berücksichtigen und darauf aus sind, ihm zu zeigen, dass er unrecht hat, dumm ist, etc. Die Folge davon ist, dass unser Partner entweder aggressiv reagiert oder sich immer mehr in sich selbst zurückzieht. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Mensch gerne wichtig genommen und so akzeptiert werden möchte, wie er ist, ist es verstehbar, dass die Abwertung ihn von uns wegtreibt. Wir gehen schließlich keine Partnerschaft ein, um schlechter, als wenn wir alleine leben würden, dazustehen. Liebe ist keine Einbahnstraße.

Eine buddhistische Weisheit zum Rechthaben

Ajahn Brahm, ein buddhistischer Mönch, erzählt in einem seiner Vorträge folgende Geschichte zum Thema Rechthaben:

Ein jung verheirates Paar geht spazieren. Als sie ein "quak, quak" hören sagt die Frau: Hör mal, das ist ein Hahn. Der Mann erwidert: Nein, mein Schatz, das ist eine Ente. Wenig später ertönt wieder ein "quak, quak". Hörst du, sagt die Frau, das ist ein Hahn. Nein, sagt der Ehemann. Hähne machen "kikeriki" und nicht "quak". Das ist eindeutig eine Ente. Als wieder ein "quak, quak" ertönt, sagt die Frau: Hör doch genau hin, das ist eindeutig ein Hahn. Der Mann ist völlig entnervt und ist kurz davor seine Frau anzuschreien. Da sieht er, dass seine Frau den Tränen nahe ist und er sagt: Du hast Recht. Es ist ein Hahn.

Die Botschaft dieser Geschichte: Es ist letztlich völlig egal, ob es eine Ente oder ein Hahn ist. Durch das Rechthaben wollen werden die Harmonie der Partnerschaft und der Spaziergang ruiniert. Überlegen Sie einen Moment: Wie oft zerstören Sie die Harmonie Ihrer Beziehung aufgrund solcher Belanglosigkeiten? Bartstoppel im Waschbecken, eine nicht "perfekt" ausgedrückte Zahnpastatube, nicht in den Wäschekorb gelegte Wäsche, usw. Klar, solche Dinge können lästig sein, aber ist die Partnerschaft nicht wichtiger, als solche Belanglosigkeiten?

Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird.
Michael Quoist

No-Go 2: Absolutes Fordern, dass der Partner sich nach unseren Vorstellungen verhält

Wir haben ein feststehendes Bild von unserem Partner, wie er sich uns und anderen gegenüber verhalten sollte. Wir denken "Der Partner sollte das und das tun, weil wir es auch so machen, oder weil wir es jetzt gerade in dieser Form brauchen". Entspricht er diesem Bild nicht, folgern wir daraus, dass er uns nicht liebt. Wir werden dann ärgerlich oder fühlen uns ungeliebt.

No-Go 3: Das Nicht-Mitteilen eigener Wünsche und Bedürfnisse

Aus Angst vor Ablehnung, Fehlern oder weil wir denken, wenn unser Partner uns liebt, wisse er, was wir uns wünschen, sprechen wir nicht über unsere Wünsche und Bedürfnisse. Die Folge davon ist, dass wir unsere Wünsche sehr häufig nicht erfüllt bekommen, weil der Partner sie nicht kennt. Wir geben unserem Partner nicht die Chance, selbst zu entscheiden, ob er sie uns erfüllen will oder nicht.

No-Go 4: Konflikte werden nicht geklärt

Wir laufen mit ärgerlichen Gefühlen und Enttäuschung herum, weil der Partner sich nicht so verhalten hat, wie wir es uns wünschten, aber teilen unserem Partner nicht mit, dass wir uns ärgern. Eine andere Möglichkeit ist, darauf angesprochen, dass wir doch "etwas hätten", abwehrend mit "es ist gar nichts" zu antworten. Mit der Zeit schleppen wir eine riesige negative Liste mit "Missetaten" und Verletzungen unseres Partners mit uns herum. Die Folge davon ist, dass wir unseren Ärger entweder an unseren Kindern oder Kollegen auslassen, oder aber uns immer mehr in uns selbst zurückziehen und unnahbar werden. Irgendwann kommt es dann zu einer großen emotionalen Explosion oder zu psychosomatischen Beschwerden wie einem Magengeschwür, chronischen Kopf- oder Rückenschmerzen. Wir fühlen uns immer mehr auf Abstand vom Partner und innerlich tot.

No-Go 5: Nichteingehen von Kompromissen, wenn es um die Erfüllung von Bedürfnissen geht

Wir betrachten die Partnerschaft als ein Gewinn-Verlust-Spiel und sind darauf aus, "möglichst viel zu unserem Vorteil aus der Partnerschaft herauszuholen". Wir hören die Wünsche nicht an oder machen dem Partner deutlich, dass er kein Recht dazu hätte. Die Folge davon sind Machtkämpfe, die ernsthafte Beziehungsprobleme herausbeschwören. Wir geraten sehr häufig in Streit mit dem Partner und für ihn wird dadurch die Partnerschaft immer unattraktiver. Die Gefahr einer Trennung ist groß.

No-Go 6: Die Bemühungen um die Partnerschaft lassen nach und alles wird zur Routine

Wir betrachten "die Liebe uns gegenüber als gepachtet" und machen uns keinerlei Gedanken, wie es unserem Partner geht, was er sich von uns wünscht und wie wir etwas für ihn tun können, was ihn erfreut. Oder der Partner vernachlässigt sein Äußeres und lässt sich gehen. Die Folge ist, dass "die Liebe erkaltet". Auch unser Partner braucht einen "Gewinn" aus der Partnerschaft bzw. Gründe, warum er mit uns zusammenlebt.

No-Go 7: Erfahrungen, Gefühle und Gedanken werden nicht mitgeteilt

Wir haben die Einstellung, dass wir mit Problemen selbst fertig werden müssen, oder wollen unseren Partner nicht zu sehr belasten. Alles, was uns beschäftigt, halten wir aus der Partnerschaft heraus. Die Folge davon ist, dass unser Partner sich nicht in uns hineinversetzen, uns nicht verstehen und auch nicht unterstützen kann. Er erlebt vielleicht nur, dass wir abweisend sind oder unwirsch reagieren. Er fühlt sich weit entfernt von uns.

No-Go 8: Zu hohe Erwartungen an die Partnerschaft

Ein Garant für Beziehungsprobleme. Wir geben unseren Freundeskreis auf, bemühen uns nicht um ein eigenes Hobby, sondern erwarten, dass der Partner seine ganze Zeit mit uns verbringt, unsere Wünsche erfüllt und für unsere Zufriedenheit sorgt. Die Folge davon ist, dass unser Partner sich geklammert fühlt und möglicherweise erst recht seine eigenen Wege geht. Wir fühlen uns abhängig und hilflos.

Mit der Liebe ist es wie mit den Kleidern. Beide brauchen ein bisschen Spielraum, sonst fühlen wir uns eingeschnürt.

Erna Lackner

 

No-Go 9: Nicht-Einhaltung von Absprachen

Wir machen unserem Partner Versprechungen und halten sie nicht ein. Die Folge davon ist, dass unser Partner sein Vertrauen in uns verliert, verständlicherweise enttäuscht ist oder wütend reagiert.

No-Go 10: Emotionale Erpressung

Wenn wir mit Schuldgefühlen arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen, dann führt diese Erpressung zwangsläufig zu Konflikten.

No-Go 11: Mit Lob und Anerkennung geizen, Kritik großzügig austeilen

Am Anfang einer Liebesbeziehung richten wir unser Augenmerk mehr auf das, was uns am anderen gefällt. Mit zunehmender Dauer der Beziehung starren wir jedoch immer mehr auf die Dinge, die uns am anderen stören. Und dann wundern wir uns, dass unsere Beziehung immer mehr Risse bekommt und jeder der beiden Partner immer unzufriedener wird. Dabei wäre es so einfach, die Liebe am Leben zu erhalten oder wieder herzustellen: einfach mehr auf das schauen, was uns ursprünglich am Partner gefallen hat und ihm das mitteilen. Öfters loben und Komplimente machen, als kritisieren.

Beziehungsprobleme sind vermeidbar, wenn wir uns frühzeitig austauschen und über unsere Erwartungen an den anderen sprechen.

Beziehungskiller und Liebestöter die eine Partnerschaft auf Dauer ruinieren.

Erwarten Sie nicht, dass Ihr Partner Ihre Gedanken lesen kann. Er kann es nicht.

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Anton schreibt am 07.10.2021

Hallo Liane,

Ich kann das sehr gut nachvollziehen was du hier schreibst, denn mir geht es genau so. Meine Partnerin macht das genauso wie dein Partner, am liebsten würde ich auch alles hinschmeißen. Sie weiß aber momentan sehr genau wie sie es mit gewissen erpressen anstellt das ich machtlos bin😔

Liane schreibt am 05.07.2021

Für mich ist neben ständigen persönlichen Abwerten, das abwerten und Kritik üben, an meinen Kindern, meiner Familie, meinen Freunden, meiner Arbeit, nicht ist mehr gut und nur mein Partner bemüht sich.
Ich würde am liebsten alles hinschmeissen, reden ist zwecklos😔

Melanie schreibt am 23.08.2019

Super Tipps, aber zu Nr. 2 habe ich doch eine Frage: Darf man sich nicht wünschen, dass wenn man z.B. vereinbart sich zu sehen und das dann aus welchen Gründen auch immer nicht klappt, absagt? -> Siehe Nr. 8?Oder wenn man sich treffen will nicht erst 5 Minuten vor dem Treffen das okay hierfür bekommt? Wäre froh um eine kurze Antwort!Liebe Grüsse

Segelboot schreibt am 02.08.2019

Mehrere Sachen:-Drogen. Sie führen zu völligem Aneinandervorbeileben, auch wenn sie als Lusterstärker wahrgenommen werden. -scheussliche Angewohnheiten. Wenn jemand ungeniert rülpst, pupst, in der Hose kratzt (Mann) wirkt das absolut sicher ablöschend für jeglliche Lust. Auch eklige Geräusche aus den Bad könne die Lust killen.-Desinteresse, Besserwissen, mangelndes Interesse, Einseitigkeit, Realtiv offen zur Schau getragener Egoismus, Faulheit, und noch mehr...

Birgit schreibt am 19.03.2019

Sich gehen lassen. Kein Interesse am Partner. Keine Achtung vor dem Partner.Nicht auf meine Wünsche eingehen, sich nicht einmal Gedanken darum machen. Nicht zuhören wollen, nicht reden wollen. Mich vor Freunden schlecht machen. Sich nicht im Griff haben mit Beleidigungen, die einem später wieder leid tun

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