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Autorin: © Dr. Doris Wolf, Diplom-Psychologin
Die meisten Menschen stellen Erwartungen an sich, an andere und an das Leben generell. Es ist ganz schwierig, insbesondere bei den Dingen, die uns wichtig sind, keine Erwartungen zu haben. Selbst Mönche müssen ein Leben lang daran arbeiten, sich von Erwartungen zu lösen.
Wenn wir eine Partnerschaft eingehen, haben wir ganz bestimmte Erwartungen an unseren Partner. Wir wollen auf alle Fälle, dass es uns besser geht, als wenn wir alleine leben.
Wir können eine ganze Liste mit unseren Erwartungen füllen: beispielsweise erwarten wir von ihm Treue, Ehrlichkeit, Loyalität, Liebe, Achtung, Vertrauen, Nähe, Freiheit, Verständnis, Unterstützung, gleiche Lebensziele, finanzielle Sicherheit, befriedigende Sexualität.
So lange wir nur Wünsche und Erwartungen haben, sind wir lediglich enttäuscht, wenn unser Partner unsere Erwartungen nicht erfüllt.
Stellen wir hingegen Forderungen statt Erwartungen an unseren Partner, reagieren wir bei Nichterfüllung heftiger, nämlich mit Wut und Verbitterung.
Für eine erfolgreiche Partnerschaft ist wichtig:
Leserfrage zum Thema Erwartungen in der Partnerschaft
Meine Frau ist leidenschaftliche Sportlerin, läuft sogar Marathon. Jetzt schwärmt sie mir immer wieder von ihrem attraktiven Trainer vor und stellt ihn mir als Vorbild hin. Gleichzeitig nörgelt sie an meinem Gewicht herum und will, dass ich auch Sport mache und abnehme. Muss ich mich diesem Schönheitswahn anschließen?
Ich habe geantwortet
Ihre Frau lebt in einer Welt, in der der Körper eine große Bedeutung hat. Sie hat offensichtlich auch sehr viel Spaß daran, Erfahrungen mit ihrem Körper zu machen und sich auszupowern. Sie sind vermutlich ganz entgegengesetzt, fühlen sich wohl ohne viel Bewegung und genießen das Essen. Zwischen diesen beiden Polen gibt es wahrscheinlich noch eine ganze Menge Spiel.
Ich frage mich, ob sie sich beide nicht ein wenig entgegenkommen können. Voraussetzung dafür ist, dass Sie und Ihre Frau jeweils die Position des anderen verstehen und nicht abwertend und missachtend darüber sprechen.
Der Begriff Schönheitswahn ist ebenso missachtend wie z.B. das Wort Couchpotatoe. Kleine Schritte auf die Vorstellung des Partners zu sind sicher zu empfehlen. Die Grenze ist da, wo Sie das Gefühl haben, sich vollkommen aufzugeben, nur um gemocht zu werden.
Sie müssen sich also fragen: „Bin ich dann noch ich selbst? Entspricht dieses Bild, das meine Frau von mir haben möchte, auch noch den Vorstellungen, die ich von mir habe?“
Sie könnten freiwillig entscheiden, sich eine körperliche Aktivität zu wählen, die Sie noch am liebsten von allen ausüben würden, und diese einmal ausprobieren.
Möglicherweise können Sie daran Gefallen finden und sich damit sogar etwas besonders Gutes tun. Auch Ihre Frau könnte ein wenig an sich arbeiten. Ein Wunsch ist für Sie sehr viel leichter anzunehmen, als sich unter Druck zu verändern.
Wenn sie auf kleine Veränderungen positiv reagiert und nicht gleich mit einem anderen Partner droht, dann fällt es Ihnen auch leichter, Neues auszuprobieren.
Die Botschaft „Ich mag dich so, wie du bist. Noch mehr Spaß mit dir würde es mir machen, wenn ...“ würde sicher auch eine Tür bei Ihnen öffnen.
Welche Erwartungen stellst du an deinen Partner? Du erkennst sie am besten in den Situationen, in denen dein Partner sie nicht erfüllt und du ärgerlich oder enttäuscht reagierst.
Wie würdest du dich anders fühlen, wenn du deinem Partner erlauben würdest, deine Erwartung "nicht immer", aber "oft" zu erfüllen?
Lässt du deinen Partner an deiner Freude teilhaben, wenn er deine Wünsche erfüllt?
Wie häufig bemühst du dich darum, die Wünsche deines Partners zu erkennen und zu erfüllen?
© 2005-2013 Dr. Doris Wolf - 1x1 einer guten Partnerschaft - Partnerschaft Lexikon -
Kränkungen - Respekt - Rituale - Routine - Missachtung - Erwartungen - Beziehungscheck - Absprachen - Ablehnung