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Aus meiner Ehe- und Paarberatung:

Mein Partner macht keine Komplimente

Leserfrage Partnerschaftsproblem Gudrun schildert folgendes Problem:

„Ein spontan mitgebrachter Blumenstrauß, ein kleiner Ring zu einem Jahrestag, ein Kompliment zwischendurch – das sind Dinge, von denen ich nur träumen kann.

Nicht dass ich falsch verstanden werde: Gerd ist ein sehr liebenswerter, freundlicher Ehemann und Vater. Nur manchmal wünsche ich mir ein wenig mehr Aufmerksamkeit.

Wenn ich so sehe, wie liebevoll die Männer in unserem Freundeskreis mit ihren Frauen umgehen, werde ich jedes Mal ganz neidisch – und traurig.

Gerd ist es in den 15 Jahren unserer Ehe nicht ein Mal in den Sinn gekommen, mir Blumen zu schenken.

Mal abgesehen von meinen Geburtstagen, da macht er das wohl aus so einer Art Pflichtgefühl. Aber so die spontane Geste zwischendurch, die vermisse ich total bei ihm.

Er findet auch nie das passende Wort für ein kleines Kompliment zwischendurch.


Ich habe geantwortet:

Wir alle lernen in unserer Kindheit, wie wir unsere positiven Gefühle ausdrücken, ob und wie wir Lob bzw. Komplimente annehmen und geben.

Sind wir in einer Familie aufgewachsen, in der es nur Kritik gab, dann tun wir uns zum einen schwer, das Positive am anderen überhaupt zu sehen.

Zum anderen kommt uns ein Lob auch nur schwer über die Lippen. Wurden keine Geschenke gemacht oder unsere Geschenke kamen nicht gut an, haben wir uns möglicherweise entschlossen, nichts mehr zu schenken.

Auch das Geschlecht spielt beim Loben oder Schenken eine Rolle. Mädchen werden viel eher dazu erzogen, auf die Wünsche anderer einzugehen und ihnen etwas Gutes zu tun. Sie sorgen sich mehr darum, dass ihr Umfeld sich wohl fühlt.

Viele Männer leben hingegen eher nach der Devise: "Ich habe dir einmal gesagt, dass ich dich liebe. Wenn sich das ändert, werde ich dir das mitteilen."

Was Sie tun können

1. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und verwöhnen Sie Ihren Partner ab und zu mit kleinen Aufmerksamkeiten und Liebesbeweisen.

Lenken Sie seinen Blick auf seine Gefühle. Fragen Sie ihn danach, ob ihm dies Freude macht und gut tut. Zählen Sie ihm einige Gesten auf, über die Sie sich freuen würden.

2. Nehmen Sie Ihren Mann ins Schmuck- oder Blumengeschäft mit und zeigen Sie ihm, was Ihnen gefällt. So lernt er Ihren Geschmack kennen und seine Unsicherheit bezüglich des Schenkens zu überwinden.

3. Falls er sich weiterhin schwer tut mit dem Schenken und Loben, dann machen Sie sich die positiven Seiten Ihres Mannes bewusst und freuen Sie sich an diesen.

Vergessen Sie nicht, sich selbst zu beschenken. Wenn Sie möchten, fahren Sie mal einige Tage alleine weg, um den Trott zu unterbrechen und um ihm bewusst zu machen, wie gut Sie ihm tun.


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


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