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Dem Partner verzeihen, dass er fremdgegangen ist?

Paar nach Seitensprung

Ein Seitensprung des Partners stellt die Partnerschaft erst einmal in Frage. Selbst aber, wenn man zusammenbleiben will, soll man dem Partner sein Fremdgehen verzeihen? Bild © BestPhotoStudio - Fotolia.com

Autorin: Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Die Wunde eines Seitensprungs sitzt gewöhnlich sehr tief. Wenn unser Partner fremdgeht und uns betrügt, werden wir nach dem ersten Schock Kränkung, Verzweiflung, Misstrauen, Ablehnung, Hilflosigkeit, Ekel, Wut, Angst und Minderwertigkeitsgefühle verspüren.

Wir haben das Bedürfnis, die Gefühle und das Verhalten unseres Partners zu verstehen:

Außerdem quält uns die Ungewissheit, dass er wieder einen Seitensprung begehen könnte. Argwöhnisch beobachten wir jeden seiner Schritte, kontrollieren vielleicht seine Emails und Telefonate, verlangen Rechenschaft von ihm und ehrliche Reue seines Seitensprungs.

Wir wollen am liebsten endlose Gespräche mit unserem Partner führen, während er am liebsten den Mantel des Vergessens und Schweigens über sein Fremdgehen legen will.

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Sollen wir dem Partner das Fremdgehen verzeihen?

Unser Partner kann seinen Seitensprung nicht mehr ungeschehen machen. Wenn wir uns entscheiden, mit ihm weiterhin eine Partnerschaft führen zu wollen, dann wird uns auch immer die gemeinsame Zeit, in der unser Partner einen Seitensprung gemacht hat, verbinden.

Bleiben wir dabei, ihm bei jeder Gelegenheit wegen seines Fremdgehens Vorwürfe zu machen, und bestrafen ihn mit Verachtung, dann tun wir uns und ihm nichts Gutes.

Wir leben dann zwar weiterhin mit ihm zusammen, aber verleiten uns die gemeinsame Zeit.

Die Frage, die wir uns stellen sollten, ist nicht: „Sollen wir ihm das Fremdgehen verzeihen oder nicht?“ sondern: „Möchten wir ihm verzeihen?“.

Es könnte sein, dass sich in uns alles gegen das Verzeihen sträubt, weil

Wenn wir uns diese Einstellungen genauer anschauen, dann müssen wir erkennen, dass es Fehlannahmen sind.

Zu verzeihen ist etwas, das wir für uns tun. Wir gewinnen dadurch unseren Seelenfrieden zurück und kommen aus der Opferrolle.

Dem Partner das Fremdgehen zu verzeihen bedeutet nicht, dass wir sein Verhalten gutheißen oder ihm einen Freibrief ausstellen.

Es kann bedeuten, dass wir sein Verhalten als Fehler ansehen, ihm und der Partnerschaft aber noch eine Chance geben.

Hinter dem Verzeihen steht die Haltung:
Ich habe mich durch dein Verhalten sehr verletzt gefühlt. Es entsprach nicht unseren Absprachen. Ich bin bereit, dir dein Verhalten zu verzeihen. Du bist ein Mensch und Menschen tun Dinge, die sie im Nachhinein als falsch ansehen. Ich bin bereit, dir nochmals Vertrauen zu schenken. Ich gebe dir die Chance, dass du dich in Zukunft für mich und unsere Partnerschaft einsetzt.

Hilfreich ist es auch, danach zu suchen, was wir möglicherweise selbst zu dem Seitensprung beigetragen haben.

Das Verzeihen fällt uns umso leichter, je besser wir die Gründe verstehen, weshalb unser Partner fremdgegangen ist.

Verzeihen ist eine Sache. Dem Partner nach dem Seitensprung wieder vertrauen, eine andere.

Eifersucht und Seitensprung

Wenn Sie zu Eifersucht neigen und Ihr Partner ist fremdgegangen, dann haben Sie den Eindruck, allen Grund der Welt zu haben, eifersüchtig zu sein.

Ja, Sie fragen sich sicher, wie Sie Ihrem Partner jemals wieder vertrauen können sollen.

War bislang Eifersucht kein Thema, dann ist es nun vielleicht eines. Sie haben kein Vertrauen mehr und sind fortan argwöhnisch, misstrauisch und eifersüchtig.

Wenn man betrogen wurde, dann scheint es erst mal unmöglich, dass alles wieder so wird wie vor dem Seitensprung des Partners. Und man glaubt mehr denn je Grund zu haben, misstrauisch und eifersüchtig zu sein.

Sie sind alarmiert und Ihr Misstrauen überschattet Ihre Beziehung nach dem Seitensprung permanent.

Mehr denn je sollten Sie sich jetzt die Frage stellen: Ist das die Partnerschaft und das Leben, das ich möchte? Möchten Sie in Zukunft stets noch mehr Angst haben müssen, dass Ihr Partner Sie hintergeht?

Wenn Sie in Zukunft Ihren Partner noch mehr kontrollieren, noch argwöhnischer sind, noch mehr aus der Lauer liegen nach Anzeichen für einen erneuten Seitensprung, dann tun Sie sich und Ihrem Partner keinen Gefallen.

Auch wenn Sie gute Gründe haben, noch misstrauischer zu sein, diese guten Gründe treiben einen Keil zwischen Ihnen und Ihrem Partner. Sie beide entfernen sich emotional immer mehr.

Nach einem Seitensprung wieder vertrauen lernen braucht Zeit und kann nicht erzwungen werden.

Und Sie und Ihr Partner müssen bereit und willens sein, die Partnerschaft wieder auf eine vertrauensvolle Basis zu stellen.

Sie müssen jetzt einige Fragen stellen und Entscheidungen treffen. Fragen Sie sich: Was erwarte/wünsche ich mir von meiner Zukunft?

Erlauben Sie sich, die Beziehung in Frage zu stellen.

Vielleicht wollen Sie sich eine Auszeit nehmen um sich darüber in Ruhe klar zu werden. Vielleicht wäre dabei auch die Hilfe eines Psychotherapeuten sinnvoll.

seitensprung-verzeihen.html

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Wenn Sie die Beziehung aufrecht erhalten möchten, dann bedeutet das, die Vergangenheit loszulassen, dem Partner den Seitensprung zu vergeben und gemeinsam die Beziehung zu festigen.

Das bedeutet nicht, dass Ihre Eifersucht damit aus der Welt ist. Aber die Entscheidung für die Partnerschaft macht den Umgang mit der Eifersucht vielleicht einfacher.


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


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Es gibt 12107 Leserkommentare

  1. Leserkommentar Moni 08.12.2016

    Hallo, ich habe nach langer Zeit mal wieder hier rein geschaut und viele alte Bekannte gelesen. Schön, dass es vielen besser geht- mir/ uns geht es auch wieder gut. Es ist 2 1/2 Jahre her, es tut noch weh, doch nicht mehr permanent, oft bin ich es selbst, die es zulässt, denn eigentlich ist das Jetzt nichts, was schmerzt. Wie auch Susanne schrieb, würde ich sagen wir sind viel behutsamer, aufmerksamer, früher war vieles selbstverständlich. Jemand anders schrieb , dass es wie ein Wachrütteln war. Das passt bei uns auch! Aber jeder Fall ist anders, was gleich ist, ist dieser schier unerträgliche Schmerz, den es verursacht hat. Allen, bei denen es noch ganz frisch ist: horcht in Euch hinein, ist da noch Liebe, möchtet ihr verzeihen? Wenn ja, gebt Euch Zeit.....es dauert, aber gaaaaanz langsam wirsches besser und der Schmerz weniger!

  2. Leserkommentar Julia 08.12.2016

    Hallo Elisa, wie schön, dass es dir gut geht! Ja, an diesen Post von dir, dass du im Auto wieder mitgesungen hast kann ich mich nur noch zu gut erinnern! War bei mir ähnlich, völlig unbemerkt macht man dann wieder "normale" Dinge! Liebe Grüße

  3. Leserkommentar Elisa 07.12.2016

    An euch alle...bei uns ist es auch schon zwei jahre her...gleiche zeit wie bei susanne...was ihr so schreibt kommt mir sehr bekannt vor...glaubt mir es wird besser.macht weiter...ich weiss noch dass ich hier schrieb dass ich ein anderer Mensch geworden bin.dann eines tages ertappte ich mich selbst dass ich im auto wieder mitgesungen habe.das war so schön...ihr werdet auch wieder singen können. Das traurige gefühl vergeht. Habt geduld das dauert.marianne mir hat es sehr geholfen dass ich in der schlimmsten zeit tagebuch geführt habe.das habe ich vorher und nachher nie getan.es hilft die gedanken zu sortieren und manche dinge abzustreifen.ich habe mir vorgenommen die blätter irgendwann zu verbrennen. Hab ich noch nicht gemacht.manchmal habe ich die seiten wieder gelesen und jedes mal tat es weniger weh. Aber die zeilen halfen mir das unfassbare anzunehmen. Und ich merke heute wie gut es mir wieder geht und bin stolz das alles bewältigt zu haben.Lg an alle...mir gehts wieder gut;-)

  4. Leserkommentar Julia 07.12.2016

    Liebe Simone, du musst lernen nicht für andere da sein zu wollen, nicht für andere zu leben. Es ist dein Leben und nur du selbst kannst dich glücklich machen! Such dir eine Aufgabe, die dich erfüllt! Und denke trotzdem auch an deine Kinder. Sie werden dich immer brauchen, auch wenn sie es einem vielleicht nicht immer zeigen können! Kauf dir einen neuen Hund, hol einen aus der Tierhilfe, die sind so dankbar! Mir geht es momentan auch mal wieder nicht so dolle, aber mittlerweile habe ich gelernt damit umzugehen, es geht doch auch wieder vorbei! Die Jahreszeit, diese scheiß Weihnachtszeit - das macht mir zu schaffen - diese Dunkelheit! Ich drück euch fest! LG

  5. Leserkommentar Simone 07.12.2016

    @Sue, sehr schön und es trifft den Nagel auf den Kopf. Es gab vor kurzem mal ein Lied: das Herz sagt ja, der Kopf will gehen. Bei mir ist es umgekehrt. @Helene, das ist bei mir auch der Fall. Je mehr ich mich gegen die Vergangenheit wehre, desto präsenter ist sie. Ich kann vor lauter "Stoppschilder" im Kopf kaum noch an etwas anderes denken. Was mich auch kirre macht ist, wenn mein Mann nicht da ist, möchte ich, dass er bei mir ist. Ist er da,"möchte ich eigentlich alleine sein. Das gilt auch auf mein Zuhause. Es war mal mein ganzer Stolz, heute könnten wir die Hütte verhöckern, ohne das ich ihr eine Träne nachweinen würde. Oft denke ich, wofür bin ich überhaupt noch da. Mein Job kann jede andere Buchhalterin machen, Sohn ist aus dem Haus, meine Familie kommt ohne mich klar, es würde keine Lücke entstehen, mein Hundi ist tot und mein Leben war eine einzige Lüge, was soll das alles noch?

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