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Autorin: © Dr. Doris Wolf, Diplom-Psychologin
Wenn unser Partner fremdgeht, ist dies ein großer Vertrauensmissbrauch. Während wir uns an unser Treueversprechen gebunden fühlen und ihm treu sind, handelt er diesem zuwider und geht fremd.
Plötzlich sind wir Opfer eines Betrugs, den wir bisher vielleicht nur im Fernsehen erlebt haben.
Bisher haben wir uns vielleicht niemals daran gezweifelt, dass er Überstunden machen muss oder wirklich im Augenblick keine Lust auf Sex hat.
Nun müssen wir, so scheint es, jedes seiner Worte auf die Waage legen und jeden Satz hinterfragen. Statt ihm blind vertrauen zu können, ist Misstrauen angesagt: Stimmt wirklich, was er sagt, oder hat er nicht gerade verdächtig seinen Blick von uns abgewandt?
Wir durchwühlen seine Taschen, prüfen die Anruflisten und durchforsten die e-mails, um nicht wieder betrogen zu werden.
Was die Situation noch erschweren kann, ist, wenn unser Partner „unsere ganze Aufregung“ nicht versteht, also mit Unverständnis auf unser Misstrauen reagiert und jegliche Auskunft auf unsere Nachfragen verweigert.
Vertrauen bedeutet, dass wir uns darauf verlassen können, dass unser Partner sich an unsere gemeinsamen Absprachen hält und so handelt, dass er uns nicht verletzt.
Um unser Vertrauen zu stärken, kann unser Partner einiges für uns tun:
Wir haben einmal unserem Partner vertraut und wurden enttäuscht. Menschlich und naheliegend ist der Schluss, dass wir ihm auch in Zukunft nicht mehr vertrauen können.
Andererseits können wir mit dieser Annahme auch falsch liegen, denn er kann sich "bessern", also in Zukunft nicht mehr fremdgehen.
Die Frage, die sich uns stellt, ist, ob wir ihm für die Zukunft eine neue Chance geben wollen. Eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht, dass er uns nicht noch einmal betrügt.
Ähnlich wie wir nach einem schweren Unfall dennoch wieder das Vertrauen aufbauen müssen, dass es uns nicht mehr passiert, können wir dies auch in Bezug auf unseren Partner und unsere Partnerschaft tun.
Wir benötigen die innere Haltung „Ich bin bereit, ihm zu vertrauen.“ Hilfreich ist es für uns auch, wenn wir den Blick darauf lenken, warum sich das Vertrauen für uns lohnen könnte.
Welche schönen Erfahrungen haben wir bisher mit unserem Partner gemacht? Welche können wir in Zukunft machen? Welches sind unsere gemeinsamen Ziele?
Um unser Vertrauen aufzubauen, sollten wir unseren Blick auch darauf lenken, was dafür spricht, dass wir wieder vertrauen können.
Vertrauen finden ist keine Alles-oder-Nichts-Lösung. Wir benötigen Zeit und viele Situationen, in denen unser Vertrauen bestätigt wurde, um es zu stärken.
Es wird auch so sein, dass in Situationen, die den Erfahrungen mit dem Seitensprung ähneln, unser Misstrauen wieder aufkommt.
Eine Betroffene schrieb mir:
Durch Zufall erfuhr ich, dass mein Mann vor 8 Jahren eine Affäre mit einer Arbeitskollegin hatte. Zunächst leugnete er dies. Als ich ihm androhte, dass ich die Kollegin und deren Mann zur Rede stellen wollte, gab er die Affäre zu. Mein Vertrauen zu ihm ist zutiefst erschüttert. Am liebsten würde ich ihn verlassen. Andererseits will ich unsere Familie für unsere erwachsenen Kinder erhalten.
Ich habe ihr geantwortet:
Ein Seitensprung des Partners ist für die meisten Menschen sehr verletzend. Verschweigt der Partner seinen Seitensprung viele Jahre, wird damit seine Liebe über diese gesamte Zeit in Frage gestellt. Es ist also verständlich, dass Ihr Vertrauen in Ihren Partner erschüttert ist.
Vielleicht werfen Sie sich auch vor, nichts von dem Seitensprung bemerkt zu haben. Trotz allem möchten Sie aber Ihre Partnerschaft erhalten. Die Kinder sollten dabei jedoch nicht der einzige Grund sein.
Wenn Sie in der Partnerschaft bleiben wollen, dann sollten Sie dieses Ziel nur anstreben, wenn Sie selbst Ihrem Partner noch eine Chance geben möchten. Verletzt, verbittert und voller Hass dieser Preis ist zu hoch.
Sie können daran arbeiten, das Verhalten Ihres Partners zu verstehen. Wenn er bereit ist, seinen Fehler einzugestehen und Ihren Schmerz anerkennt, dann könnten dies erste Bausteine für einen Neubeginn sein. Gleichzeitig müsste Ihr Partner alles dafür tun, Ihr Vertrauen zurückzugewinnen.
Am Ende eines solchen Prozesses könnte stehen, dass Sie ihm verzeihen. Auf diesem Weg könnte eine Paartherapie hilfreich sein. Ist für Sie der Vertrauensbruch zu groß, dann sollten Sie sich erlauben, sich für eine Trennung zu entscheiden.
Eine Trennung ist zwar sehr bedauerlich, aber Ihre Kinder sind bereits erwachsen. Sie haben die Fähigkeit, sich auf eine Trennung ihrer Eltern einzustellen.
© 2005-2012 Dr. Doris Wolf - Hilfe bei Beziehungsproblemen - Dem Partner nach dem Seitensprung wieder vertrauen lernen
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