Ständiger Streit in Partnerschaft

Häufiger Streit in der Partnerschaft ist ein Alarmzeichen. Was steckt hinter häufigen Streiereien? Was dagegen tun?

Ständiger Streit in Partnerschaft
© Chris Sabor, unsplash.com

Häufige Streitereien in der Partnerschaft vergiften das Klima. Was steckt dahinter, wenn Partner sich häufig streiten? Was können Paare tun, um häufiges Streiten zu reduzieren? Kennen Sie Paare, die permanent über Kleinigkeiten streiten? Da geht es um die Bartstoppel im Waschbecken, die Plastiktüten im normalen Müll anstatt im gelben Sack, die falsch eingeräumte Spülmaschine, die Brotkrümel auf dem Tisch, ...

Von außen gesehen mögen diese Streitereien lächerlich anmuten, doch für die Partnerschaft haben sie eine Funktion. Warum sonst sollten sich die Partner mit den Streitereien das Leben schwermachen? Sich ab und zu über Kleinigkeiten zu streiten, das gehört zum Beziehungsalltag. Anders sieht es bei Paaren aus, die immer wieder nach Angriffspunkten suchen, um dem Partner Vorwürfe zu machen. Manchmal ist nur einer der beiden Partner der Streithahn, manchmal geht der Angriff wechselweise von beiden aus. Manchmal kommt es dann zu einer immer heftiger werdenden Spirale von gegenseitigen Vorwürfen, manchmal reagiert der Angegriffene mit stillem Rückzug und zieht innerlich eine Mauer hoch.

Was die Ursachen für ständige Vorwürfe und Streitereien?

Die folgenden Ursachen können einen oder beide Partner betreffen. Möglich ist es, dass nur eine Ursache zu dem Streitverhalten führt, häufig kommen aber auch mehrere zusammen:

Ein Partner

  • ist am Arbeitsplatz über- oder unterfordert, wird gemobbt oder ist generell mit der Art seiner Beschäftigung nicht zufrieden. Zuhause bekommt dann der Partner seine Unzufriedenheit zu spüren.
  • hat psychische Probleme, leidet unter Minderwertigkeitsgefühlen oder Ängsten. Deshalb fühlt er sich von seinem Partner schnell angegriffen bzw. greift infolge seiner Unzufriedenheit und inneren Anspannung seinen Partner immer wieder an, um ihn kleinzumachen.
  • nutzt die Streitereien mehr oder weniger bewusst, um das Prickeln in der Partnerschaft zu erhalten.
  • geht fremd. Er zettelt Streitereien an, weil er emotionale Distanz benötigt. Er braucht die Streitereien, um seinen Partner zu betrügen und seine Schuldgefühle abzumildern. („Bei so einer schlechten Partnerschaft muss man ja fremdgehen.“)
  • sieht die Streitereien als Weg, um sich emotional zu distanzieren, seine Unabhängigkeit zu wahren bzw. seine Angst vor Nähe zu bekämpfen.
  • fühlt sich kontrolliert und geklammert und bringt sich durch ständige Vorwürfe auf Abstand.
  • zeigt ein Suchtverhalten (z.B. trinkt, ist spielsüchtig oder nimmt Drogen). Durch die ständigen Vorhaltungen lenkt er von seinem Suchtproblem ab. Es ist eine Art Verteidigungsstrategie, indem er den Partner angreift, ist er aus dem Fokus. Er kann sein selbstschädigendes Verhalten rechtfertigen.
  • fühlt sich abgelehnt, will mehr Aufmerksamkeit und Liebe und kennt keinen anderen Weg, sie zu bekommen, als zu streiten.
  • fühlt sich unglücklich in der Partnerschaft und macht seiner Enttäuschung über Streitereien Luft, statt seine Wünsche auszudrücken.
  • fühlt sich in seinen Gefühlen von seinem Partner abhängig, glaubt, dass dieser sich in bestimmter Weise verhalten muss, damit er sich gut fühlen kann.
  • möchte mit Kritik und Streit Macht ausüben, d.h. will schauen, wie weit er gehen kann und wer der Stärkere ist.

Wie ständige Vorwürfe und Streitereien vermeiden?

Fest steht, diese Streitereien lösen langfristig nicht das Problem. Folgende Schritte können den Partnern helfen, sich aus der Streitfalle zu lösen:

  • Beide Partner müssen sich zunächst einmal bewusst machen, dass diese permanenten gegenseitigen Vorwürfe kein normaler Bestandteil einer Partnerschaft sind und ihnen Energie rauben.
  • Sie müssen entscheiden, dass sie beide etwas an ihrem Verhalten verändern möchten und eine Beziehung mit gegenseitiger Achtung und Liebe gestalten möchten.
  • Sie müssen herausfinden, welche Ursachen sich hinter ihrem Streitverhalten verbergen. Dabei helfen die Fragen:
  • Gab es eine Zeit, in der wir uns nicht immer gestritten haben? Was war da anders als heute?
  • Gibt es einen konkreten Zeitpunkt, an dem unsere ständigen Streitereien begannen?
  • Was würden wir tun, wenn wir uns nicht streiten würden?
  • Wie würden wir uns fühlen, wenn wir nicht immer streiten würden? Beispielsweise: Wäre uns langweilig? Fühlten wir uns zu nah?
  • Sie müssen nach Wegen suchen, wie sie die Ursachen für ihre ständigen Auseinandersetzungen beseitigen, z.B. wie sie Angst vor Nähe und Kontrolle abbauen, Gefühle und Wünsche angemessen äußern können oder ihr Selbstwertgefühl stärken können. Manchmal ist hierzu eine Begleitung durch einen Paartherapeuten sinnvoll und hilfreich.
  • Verabreden Sie mit Ihrem Partner ein Signal: Wer von ihnen beiden zuerst bemerkt, dass sie beide ins alte Streitmuster zurückfallen, sendet das Signal. Dann fragen sie sich, ob sie wirklich weiterstreiten möchten.
  • Machen Sie ein Experiment: Steigen Sie als erster aus dem Streitkreislauf aus. Reagieren Sie auf Vorwürfe Ihres Partners ruhig und selbstbewusst, aber nicht mit Gegenvorwürfen.

    Beobachten Sie, ob und wie sich daraufhin sein Verhalten ändert. Setzen Sie das Experiment eine Zeitlang fort, auch wenn sich innerlich alles dagegen sträubt, dass sie jemanden, der Sie verletzt, liebevoll behandeln sollen. Sie tun dies, weil Sie Ihrem Partner und sich helfen möchten, sich besser zu fühlen.
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