Wie Kinder die Beziehung der Eltern beeinflussen

Fragen junger und werdender Eltern: welches sind typische Probleme junger Eltern? Welches sind die häufigsten Beziehungsfehler junger Eltern?

Wie Kinder die Beziehung der Eltern beeinflussen
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Ein Kind verändert die Beziehung in vielerlei Hinsicht - im positiven wie im negativen.

"... und dann bekamen sie ein Kind und ihr Glück wurde noch größer", so wünschen es sich alle werdenden Eltern. Doch in der heutigen Zeit sind die Veränderungen sehr groß, die auf junge Eltern zukommen.

Ein Kind ist nicht nur eine Quelle des Glücks, es kann eine Partnerschaft auch stark gefährden oder gar ein Beziehungskiller sein.

Deshalb beantworte ich einige Fragen, die mir werdende Eltern immer wieder stellen.

Wie häufig kommt es vor, dass ein Kind zum Beziehungskiller wird?

Dies lässt sich nur schwer beantworten. Viele Faktoren spielen hier hinein. Zum einen ist dies abhängig von der Einstellung der Eltern und deren Reife.

Schwierig wird es z.B., wenn nur einer der beiden Partner das Kind wollte und das Paar sich nicht auf die Veränderungen vorbereitet hat. Negativ wirkt sich auch aus, wenn einer oder beide Partner nicht gut darin sind, Konflikte anzusprechen und zu lösen.

Die Beziehung zueinander und der Alltag verändert sich durch ein Baby grundlegend: Das Kind steht im Vordergrund. Man isst, spricht und schläft weniger miteinander. Dafür streitet man mehr.

Der Kontakt zu Freunden reduziert sich, das Geld wird vielleicht knapper. Der sexuelle Kontakt wird weniger - zumindest in der ersten Zeit. Das Kind stört beim Sex. Man kann nicht mehr uneingeschränkt in den Urlaub fahren oder ausgehen.

Man geht davon aus, dass 70 Prozent der Paare, die eine Trennungsberatung in Anspruch nehmen, wegen eines Babys auseinandergehen.

In den ersten 1,5 bis 2 Jahren des Kindes und in der Pubertät ist die Beziehung besonders gefährdet.

Verursachen verschiedene Altersstufen verschiedene Arten der Belastung?

Ja, in den ersten Jahren benötigt das Kind viel Zuwendung und Pflege. Die Partner müssen sich eine neue Arbeits/Rollenverteilung zulegen.

Sie müssen auf vieles verzichten und ihr Leben grundsätzlich umstrukturieren. Und je nachdem wie pflegeleicht das Baby ist, zehrt es ganz schön an den Kräften und Nerven der Eltern.

In der Pubertät gibt es sehr häufig Probleme damit, wie die Eltern mit dem rebellischen Jugendlichen umgehen, welche Forderungen an ihn gestellt werden und wie groß die elterliche Autorität noch ist.

Welche sind die typischen Probleme junger Eltern?

  • Einer der beiden Partner (eher der Mann) fühlt sich zu kurz gekommen und vernachlässigt.
  • Es gibt mehr anfallende Arbeiten im Haushalt und es geht darum, wie weit sich der Mann beteiligt. Männer beteiligen sich meist weniger, kümmern sich weniger ums Baby, als Frauen erwarten.
  • Wenn die Frau den Beruf aufgegeben hat, fehlt ihr Bestätigung.
  • Die Frau fühlt sich überfordert und vom Mann allein gelassen.
  • Das alte Rollenmodell ist plötzlich wieder auf dem Tisch: Sie ist für das Kind und den Haushalt zuständig, der Mann dafür, Geld zu verdienen. Keiner der beiden kann sich in den anderen hineinversetzen.
  • Die Frau erwartet von sich, immer glücklich sein zu müssen und das Baby immer zu lieben.
  • Die Paare erwarten, dass beide reibungslos mit der neuen Situation zurechtkommen.
  • Der Mann fühlt sich als Alleinverdiener unter Druck, für die Familie sorgen zu müssen.
  • Das Gespräch miteinander bleibt auf der Strecke; wenn es zu einem Gespräch kommt, wird schnell heftig reagiert und vieles als Kränkung aufgefasst
  • Die Frau hat weniger Lust, ist eher erschöpft. Kleine Zärtlichkeiten nehmen ab. Die emotionale Nähe nimmt ab.

Woran mangelt es in Beziehungen, die gerade ein Kind bekommen haben?

  • Der Sex wird weniger.
  • Der Mann erhält weniger Aufmerksamkeit.
  • Es gibt mehr Arbeit im Haushalt.
  • Die Urlaubsplanung ist eingeschränkt.
  • Beide haben keine freie Verfügung mehr über die Zeit.
  • Es findet weniger Kommunikation statt.

Was sind die häufigsten Beziehungsfehler junger Eltern?

  • Sie unternehmen nichts mehr alleine als Paar.
  • Sie sprechen vor der Geburt nicht über die Veränderungen und bereiten sich nicht darauf vor.
  • Die Frau hat zu große Erwartungen an den Mann bzgl. seiner Beteiligung an der Versorgung des Babys.
  • Der Mann hat zu wenig Verständnis, wenn seine Frau erschöpft ist.
  • Die Frau widmet dem Mann zu wenig Aufmerksamkeit bzw. er hat zu große Erwartungen an seine Frau.
  • Beide haben die Illusion, dass ihre Beziehung durch das Baby intensiver wird.
  • Sie nehmen sich keine Zeit, ruhig über Konflikte zu sprechen.
  • Sie sprechen nur noch über das Baby.
  • Die Frau fühlt sich ausgebeutet; ihr fehlt die Anerkennung ihrer Leistung.

Woran merken Paare, dass es nicht so läuft, wie sie es sich wünschen?

  • Sie streiten sich häufig.
  • Sie haben kein Verständnis für die Probleme des anderen.
  • Der Mann fühlt sich überflüssig. Er ist eifersüchtig, weil seine Frau für ihn keine Zeit mehr hat.
  • Die Frau fühlt sich mit ihren Problemen allein gelassen und überfordert.
  • Sie hat keine Lust auf Sex.
  • Er hat das Gefühl, sexuell zu kurz zu kommen.

Was Eltern raten, die sich wegen des Kindes entfremdet haben?

Die Partner sollten sich Zeit zum Reden nehmen und über Enttäuschungen sprechen.

Manchmal ist es auch hilfreich, sich mit Freunden austauschen oder einen Ratgeber von Eltern zu lesen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Wie gehen Paare am besten mit ihrer Elternrolle um?

  • Sie sollten sich darauf vorbereiten, welche Veränderungen kommen, also nicht nur positive Phantasien haben.
  • Sie sollten sich beide bewusst fürs Baby entscheiden.
  • Der Vater sollte sich gleich nach Geburt ums Baby kümmern.
  • Der Vater sollte eine eigenständige Beziehung zum Baby aufbauen, auch Zeit mit ihm alleine verbringen und es versorgen.
  • Beide sollten absprechen, wer wofür zuständig ist, und ab und zu Bilanz ziehen.
  • Beide sollten sich liebevoll und vorsichtig wieder an Sex herantasten – auf keinen Fall nur Forderungen stellen.
  • Beide sollten sich ab und zu "frei" geben, so dass einer alleine weggeht, oder einen Babysitter engagieren, und gemeinsam ausgehen.
  • Beide sollten eine einseitige Rollenaufteilung vermeiden.
  • Die Frau sollte dem Mann nicht vorschreiben, wie er mit dem Baby umzugehen hat, sondern ihn selbst seine Erfahrungen machen lassen.

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