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Emotionale Erpressung durch Schuldgefühle

mann  bekommt schuldgefühle gemacht

Schuldgefühle sind ein äußerst wirksames und beliebtes Mittel, um Menschen zu manipulieren. Auch in der Partnerschaft werden häufig Schuldgefühle eingesetzt, um den Partner zu manipulieren. Bild © Lasse Kristensen - Fotolia.com

Autorin: Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Grundsätzlich möchte ich sagen, dass ich Schuldgefühle für überflüssig und schädlich halte.

Ich weiß, dass ich bei dem einen oder anderen von Ihnen durch diese Äußerung starken Protest auslöse.

Schuldgefühle können ein machtvolles Instrument sein, um Menschen zu manipulieren. Kaum etwas macht gefügiger als der Hinweis, man habe an etwas Schuld.

Meine Erfahrung ist jedoch, dass Schuldgefühle uns weder zu einem besseren Menschen machen noch uns daran hindern, das Verhalten, wegen dem wir uns Schuldgefühle machen, in Zukunft zu unterlassen.

In meinen Augen reicht es völlig, sich einen Fehler einzugestehen und diesen, wenn möglich, zu korrigieren.

"Wenn du es nicht machst, dann muß ich es halt selbst machen" "Na, ja, dann kommst du eben nicht. Ich werde schon alleine zurechtkommen." (gesprochen mit weinerlicher Stimme).

Was lösen solche Sätze in Ihnen aus? Höchstwahrscheinlich fühlen Sie sich schuldig. Sie überlegen sich, ob Sie die Arbeit nicht doch machen bzw. nicht doch Ihren Zahnarzt-Termin absagen und kommen können.

Es gibt unzählige Strategien, wie andere versuchen, uns zu beeinflussen und in eine bestimmte Richtung zu drängen.

Wir wollen uns deshalb damit befassen, wie wir auf die Manipulationsversuche der anderen reagieren können.

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Welche Techniken der emotionalen Erpressung gibt es?

Jeder Mensch versucht bisweilen, andere zu beeinflussen und in seinem Sinne umzustimmen.

Wir haben in unserer Kindheit die Erfahrung gemacht, dass ein schlechtes Gewissen uns und andere bereit macht, "klein" beizugeben.

Auch unsere Eltern haben ab und zu Schuldgefühle als Erziehungsmittel eingesetzt und tun dies vielleicht auch heute noch.

Und warum sollten wir nicht auch diese Techniken einsetzen, wenn sie gut funktionieren?

Vorwürfe wie

sind schon jedem über die Lippen gekommen.

Andere setzen Schuldgefühle meist dann ein, wenn sie sich verletzt fühlen oder es "uns heimzahlen" wollen - als Rache oder Bestrafung.

Sie treibt die Hoffnung, dass wir uns ändern, weil wir uns schlecht fühlen.

Häufig verwenden sie dabei das Wörtchen "man": "Man tut nicht oder man tut", um sich quasi noch Rückendeckung von der Allgemeinheit zu holen.

Sie tun so, als ob sie allgemeingültige Regeln vertreten, in Wirklichkeit sind es meist jedoch nur ihre eigenen.

Schuldgefühle werden von den Eltern, vom Freund, Partner und den Kindern eingesetzt, um uns zu von ihm erwünschtem Verhalten zu bewegen und sich durchzusetzen.

Die gebräuchlichsten Strategien der emotionalen Erpressung sind

uns an unsere Verpflichtung innerhalb der Beziehung zu erinnern:
"Du hattest mir doch versprochen, dass ..."

uns zu erinnern, dass sie wegen uns ein Opfer bringen müssen:
"Wenn du es nicht machst, muss ich halt auf meinen Feierabend/Kurs verzichten"

uns klarzumachen, dass sie selbst mehr für die Beziehung tun:
"Ich habe jetzt schon viermal eingekauft und du hast dich noch kein einziges Mal darum gekümmert"

uns auf Widersprüche zwischen Vorsatz und Verhalten hinzuweisen:
"Du rauchst ja schon wieder. Ich dachte, du wolltest aufhören."

unsere Gefühle in Frage zu stellen:
"Wenn dir etwas an mir läge, dann würdest du ..."

nonverbal Leiden und Kränkung zu signalisieren durch Trotzen, nicht sprechen, leidende Blicke, Stöhnen, sich nicht melden

nach Jahren noch an vergangene "Untaten" zu erinnern:
"Weißt du noch, damals ... Das kann ich dir nie verzeihen"

uns mit anderen zu vergleichen:
"Der Mann meiner Freundin macht doch auch ..." "Andere Mütter sind ganz glücklich, wenn sie ihre Enkel hüten dürfen".

auf die schlechte Meinung anderer zu verweisen:
"Was würden deine Eltern nur von dir denken"

den Märtyrer zu spielen
indem sie sich aufopfern und versuchen, uns in Zugzwang zu bringen. "So viel wie ich für dich tue, da musst du doch wenigstens ..."

Durch dieses "Schuld-Programm" lassen wir uns nur allzu leicht manipulieren. Wir fühlen uns eingeengt, unter Druck gesetzt.

Doch meist brodelt in unserem Innern auch Widerstand. Scheinbar haben wir nur zwei schlechte Alternativen zur Verfügung:

1. Wir richten uns nach den Vorstellungen des anderen und haben den Eindruck, gezwungen zu sein.

2. Wir richten uns nicht nach seinen Wünschen und haben Schuldgefühle. Langfristig können Schuldgefühle eine Beziehung gehörig belasten oder sogar zur Beendigung der Beziehung führen.

Wir haben es satt, uns in unserer Freiheit ständig beschnitten zu sehen und ständig mit schlechtem Gewissen umherlaufen zu müssen.

Entscheiden wir uns für die Märtyrerrolle, indem wir unsere Wünsche zurückstellen und alles für den anderen tun, in der Hoffnung, es komme eines Tages zu uns zurück, befinden wir uns meist in einer ausweglosen Position: Unsere Interessen werden nicht umgesetzt und wir bekommen nichts zurück.

Die Manipulation durch emotionale Erpressung ist keine hilfreiche Strategie im Umgang mit anderen Menschen.

Was steckt hinter der emotionalen Erpressung?

Im Grunde genommen fühlt sich derjenige, der erpresst, in der Opferrolle.

Wie eine emotionale Erpressung erkennen?

Was passiert, wenn man emotional erpreßt wird und der Erpressung nachgibt?

Sind wir herzlos, wenn wir nicht auf eine emotionale Erpressung reagieren?

Es geht keinesfalls darum, die Gefühle und Bedürfnisse des anderen zu ignorieren.

Den Weg, den er einschlägt, seine Gefühle zu äußern, müssen wir dennoch nicht unterstützen und gut finden.

Zudem sind unsere Schuldgefühle ein schlechter Berater. Ziel sollte sein,

Wie sich nicht mehr manipulieren lassen?

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Machen Sie sich deutlich: wenn ein anderer Ihnen Egoismus vorwirft, dann ist er selbst egoistisch.

Er will Sie gefügig machen, indem er Ihnen mit seinem Hinweis Schuldgefühle einreden will.

Erinnern Sie sich daran: für seine Gefühle ist der andere selbst verantwortlich. Auch wenn Sie nicht nach seinen Vorstellungen funktionieren, sind Sie kein schlechter Mensch.

Er kann genauso gut seine Erwartungen revidieren: "Er/Sie muss tun, was ich will, erst dann mag ich sie/ihn".

Akzeptieren Sie, dass der andere sich schlecht fühlt, aber suchen Sie nicht gleich bzw. nicht immer die Schuld bei sich: "Es ist schade, dass du das so ... siehst. Dann musst du dich schlecht fühlen. Ich tue ... das, nicht um dir weh zu tun".

Lassen Sie den anderen sich erst einmal zurückziehen, wenn er sich ausschweigt oder mauert.

Gehen Sie Ihren Aktivitäten OHNE schlechtes Gewissen nach. Er wird wieder auf Sie zukommen, wenn er sich "abgeregt" hat.

Erinnern Sie sich daran, dass der andere Ihnen keine Schuldgefühle machen kann: Wenn Sie sich schuldig fühlen, dann deshalb, weil Sie glauben, etwas Falsches oder Schlechtes getan oder gesagt zu haben und sich deshalb ablehnen.

Bitten Sie den andern, in Zukunft offen über seine Erwartungen zu sprechen, damit Sie diese eher erfüllen oder ihm erklären können, weshalb nicht.

Formulieren Sie eigene Regeln, auf die es Ihnen in der Partnerschaft/Freundschaft ankommt.

Erst wenn Sie diesen Regeln zuwiderhandeln, müssen Sie alarmiert sein.

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Wie begegnet man emotionaler Erpressung?

Liebe Leserin, lieber Leser: ich wünsche Ihnen die Fähigkeit, zwischen Ihren und den Interessen der anderen abzuwägen, und die Kraft, sich frei und ohne Schuldgefühle für ein bestimmtes Verhalten entscheiden zu können.

Ob Sie für emotionale Erpressungen anfällig sind, das zeigt Ihnen der Test Emotionale Erpressung.


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich in morgendlicher Meditation, im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und dem Backen leckerer Kuchen.

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Nutzt Ihr Partner Schuldgefühle, um Sie zu erpressen?

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  1. Leserkommentar Sarah Zimmermann 22.02.2017

    Die Sätze sind wohl sehr Allgemein. Da dürfte man ja nichts mehr zum Partner sagen, ohne nicht gleich als emotionaler Erpresser dazustehen. Das Thema ist meiner Meinung nach viel zu komplex, als das es, wie es hier gemacht wird, mit ein paar Sätzen zu klassifizieren. Man muss ganz klar differenzieren zwischen enttäuscht sein, von einer Handlung oder einer gezielten Manipulation, die mit einer echten emotionalen Erpressung einhergeht. Ansonsten finde ich Ihre Beiträge sehr lehrreich.

  2. Leserkommentar Ali Yildirim 20.02.2017

    Ich habe eine jüngere Marokkanerin geheiratet, damit ich Kinder habe und eine Familie gründe. Leider nach dem ersten Kind hat sie angefangen, mich zu erpressen und zwar mit dem Kind. Sie spioniert nach meinen Emails etc. und hat eine Minderwertigkeistkomplex. Sie bleibt zuhause ,beschäftgit mit Handy und Arabischen Sendern. Selbst ist sie müde oder krank, Kind vom Kindergarten abzuholen. Ich fühle mich verarscht irgendwie im eigenem Leben.

  3. Leserkommentar Katrin 19.02.2017

    Ich war mit jemandem verheiratet, dessen Strategie auch emotionale Erpressung war. Er ist selbst als Kind psychisch, körperlich und emotional misshandelt worden. Ich hatte sehr oft das Gefühl, dass er sich stellvertretend an mir dafür rächen wollte, was seine Mutter ihm angetan hat. Egal, was ich machte, es war nie genug. Meine Schuldgefühle haben mich fast aufgefressen. Ich lerne immer noch, mich besser abzugrenzen. Das ist ein Prozess. Da sind solche Artikel wie dieser sehr hilfreich.

  4. Leserkommentar Fleur 17.02.2017

    Meine jüngste Tochter(25) macht uns, als Familie, ständig Vorwürfe. Sie würde zu wenig geachtet, als Dummchen hingestellt, die Familie ist nicht nach ihrer Vorstellung und deshalb findet sie ihren Freundeskreis auch als viel bereichernder, als uns als Familie. Auch ich, als Mutter, bin leider nicht "perfekt", aus ihrer Sicht. Das bin ich auch nicht, aber ich habe mich bei ihr schon so oft entschuldigt, für eventuelle Fehltritte oder Erziehungsfehler und bin es leid. Denn wir sind und waren keine Unmenschen, nicht als Eltern und nicht als Familie.

  5. Leserkommentar Female Taxidriver 07.02.2017

    Also, wenn ich 100% ehrlich sein soll kenne ich es gar nicht anders. Ich habe es nie gelernt diesen Schuldgefühlen zu entwachsen. Es muss bisher für alle nahestehenden Menschen sehr schön und bequem gewesen sein mit mir. Eine schmerzhafte Erkenntnis für mich aber es ist ja nie zu spät für eine Veränderung. Ich kann nur gewinnen! Vielen herzlichen Dank für den Augenöffner

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