Wahre Liebe oder Abhängigkeit (Liebessucht)?

Was ist der Unterschied zwischen inniger Liebe Liebessucht oder Beziehungssucht? Was tun wenn man süchtig nach Liebe ist?

Wahre Liebe oder Abhängigkeit (Liebessucht)?

„Ist es Beziehungssucht oder wahre Liebe?“ - diese Frage stellen wir uns gewöhnlich nicht bzw. erst dann, wenn wir deshalb ernsthafte Probleme mit uns oder unserem Partner haben.

Beziehungssucht bedeutet, dass wir nach einer Beziehung und nach menschlicher Nähe süchtig sind. Oftmals verwechseln wir Beziehungssucht mit Liebe.

Was ist der Unterschied zwischen Beziehungssucht und wahrer Liebe?

So ganz einfach ist die Trennung zwischen beiden Formen der Liebe nicht, denn für die von Beziehungssucht Betroffenen mag sich ihre Liebe echt anfühlen. Außerdem gibt es ein Kontinuum zwischen der innigen Liebe bis hin zur totalen Selbstaufgabe.

Viele Menschen sehen es auch als ideale Liebe an, wenn man bereit ist, für den Partner alles zu tun. Äußerungen wie „Ich bin ohne dich nichts“ oder „Für dich tue ich alles“ gehören zu unserer Vorstellung von romantischer Liebe, die in unzähligen Liedern und Gedichten beschrieben und besungen wird.

Versuchen wir dennoch einmal, die Unterschiede zwischen Beziehungssucht und Liebe herauszuarbeiten.

Basiert eine Partnerschaft auf wahrer Liebe dann,

    • besteht ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen.
    • vertrauen beide Partner einander und sind sich der Liebe des anderen sicher.
    • besitzen beide Partner ein starkes Selbstwertgefühl und wissen, dass sie auch ohne ihren Partner weiterleben können.
    • können beide Partner zulassen, dass ihr Partner sich weiterentwickelt, seinen Interessen nachgeht und auch alleine oder mit seinen Freunden etwas unternimmt. Auch Kontakte zum anderen Geschlecht werden akzeptiert,
    • haben beide Partner gemeinsame Interessen und Ziele.
    • achten sich beide und akzeptieren die Grenzen des anderen.
    • sind beide Partner ehrlich und offen zueinander, aber auch zu sich selbst.
    • leben beide Partner nach der Einstellung „Ich bin okay, du bist okay“.

    Video zur Beziehungssucht - süchtig nach Liebe

    Diese Merkmale können Hinweise auf eine Beziehungssucht sein:

      • Betroffene können sich nicht vorstellen, ohne ihren Partner zu leben. Allein der Gedanken an einen Verlust stürzt sie in Verzweiflung.
      • Sie sind sehr eifersüchtig. Allein die Vorstellung, dass ihr Partner mit jemand anderen zusammen trifft, macht sie wütend.
      • Wenn sie nicht mit ihrem Partner zusammen sind, fühlen sie sich leer und unvollständig. Nur in der Nähe ihres Partners fühlen sie sich geborgen.
      • Sie sind sich ihres Werts nicht sicher und brauchen immer wieder die Bestätigung von außen, die Aufmerksamkeit und Zuneigung von ihrem Partner.
      • Sie machen sich in ihren Gefühlen abhängig vom Verhalten ihres Partners. Schenkt er ihnen Aufmerksamkeit, fühlen sie sich gut. Kritisiert er sie oder wendet sich ab, stürzen sie gefühlsmäßig ab.
      • Ihre Gedanken kreisen nur um den Partner, in ihm sehen sie ihren Lebenssinn. Die ausschließliche Beschäftigung mit ihrem Partner sehen sie als Beweis für ihre Liebe.
      • Ihr Partner stellt für sie eine Lösung ihrer Probleme dar. Sie fühlen sich z.B. durch ihn liebenswert und nicht mehr einsam.
      • Sie stellen ihre Bedürfnisse hinter die Bedürfnisse ihres Partners. Freunde und Interessen werden vernachlässigt oder aufgegeben. Die Selbstaufgabe und den Verzicht auf eigene Wünsche sehen sie ebenfalls als Beweis für ihre tiefe Liebe.
      • Sie stellen riesige Erwartungen an ihren Partner und wollen von ihm immer wieder hören, dass er sie liebt.
      • Sie klammern, möchten, dass ihr Partner immer um sie ist, wollen ihn quasi "vollkommen besitzen" – auch um den Preis, dass es Konflikte mit ihm gibt.
      • Sie sind bereit, auch Demütigungen und körperliche Gewalt durch den Partner zu erdulden, statt sich aus der schädigenden Partnerschaft zu lösen.
      • Sie lassen sich gegen ihren Willen auf sexuellen Kontakt ein.
      • Sie haben Angst, verlassen zu werden, und glauben, nicht alleine leben zu können.
      • Ihr Partner klagt darüber, dass er geklammert wird, zieht sich zurück, weist sie ab oder missachtet ihre Bedürfnisse.

      Auch selbstschädigendes Verhalten, Suchtprobleme, der Einsatz körperlicher Gewalt seinem Partner gegenüber, Depressionen, Panikattacken und körperliche Beschwerden wie z.B. Schlafstörungen auf eine Liebessucht oder Beziehungssucht hinweisen.

Welche Ursachen können zu einer Beziehungssucht führen?

Die Ursachen für eine Beziehungssucht liegen meist in der Kindheit. Häufig liegt eine oder mehrere der folgenden Ursachen vor:

    • Betroffene haben keine Geborgenheit erfahren und ihre emotionalen Bedürfnisse wurden nicht befriedigt.
    • Die Eltern konnten ihnen keine Liebe oder emotionale Sicherheit geben und keine Gefühle zeigen.
    • Die Eltern hatten Suchtprobleme.
    • Betroffene mussten früh Verantwortung tragen und waren damit überfordert.
    • Es wurden hohe Erwartungen an sie gestellt und sie bekamen nur Zuwendung, wenn sie Leistung erbrachten. Eigene Wünsche mussten zurückgesteckt werden.
    • Sie haben nicht gelernt, sich selbst anzunehmen und zweifeln daran, liebenswert zu sein.

Auswege aus der Beziehungssucht

TIPP 1:    Möglicherweise haben Sie einige der Verhaltensweisen, die auf eine Abhängigkeit schließen lassen, bei sich entdeckt.

Dann ist es bereits der erste Schritt, wenn Sie sich dieser Verhaltensweisen bewusst geworden sind. Sie haben erkannt, dass Liebe nichts mit Selbstaufgabe zu tun hat: Richtige Liebe hilft Ihnen und Ihrem Partner, sich zu entfalten. Es gehören Achtung und Vertrauen mit dazu.

TIPP 2:   Machen Sie sich auf den Weg, zu lernen, sich als liebeswert zu sehen und sich selbst zu lieben. Dann benötigen Sie nicht mehr die unablässige Anerkennung und Liebe durch Ihren Partner.

Und Sie können großzügiger ihm gegenüber sein, ihm erlauben, seinen Interessen und Bedürfnissen nachzugehen. Und Sie können Grenzen setzen, wo es nötig ist, möglicherweise auch die Trennung einleiten.

TIPP 3:   Überlegen Sie sich, welche Aktivitäten Ihnen Spaß machen würden oder was Sie schon immer einmal ausprobieren wollten. Werden Sie aktiv – ohne Ihren Partner.

So werden Sie Ihr Selbstvertrauen stärken und auch neue Ideen in die Partnerschaft bringen können. Außerdem können Sie dadurch vielleicht auch neue interessante Menschen kennenlernen oder sogar neue Freundschaften schließen.

TIPP 4:   Behandeln Sie sich selbst liebevoll. Loben Sie sich für Erfolge, ermutigen und unterstützen Sie sich bei Misserfolgen.

TIPP 5: Nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe auf. Hier finden Sie Selbsthilfegruppen für Beziehungssüchtige oder bei den Anonymen Sex- und Liebessüchtigen

TIPP 6: Haben Sie den Mut, sich psychotherapeutische Unterstützung zu holen, wenn Sie sich bereits schon in mehreren Partnerschaften so stark vom Partner abhängig gemacht haben. 

Erfahrungen in der Kindheit, die sich in Minderwertigkeitsgefühlen, in Angst vor Nähe oder Angst vor dem Verlassenwerden niederschlagen können, können in der Psychotherapie bearbeitet werden.

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