Mein Mann hat eine Arztphobie

Mein Mann muss immer den harten Kerl mimen. Seit Jahren war er nicht mehr beim Arzt obwohl das wirklich nötig wäre. Aber Klaus tut alles als Kleinigkeiten ab.

Mein Mann hat eine Arztphobie
© PAL Verlag

Heike schildert folgendes Problem:

Mein Mann muss immer den harten Kerl mimen. Seit Jahren war er nicht mehr beim Arzt, obwohl das wirklich nötig wäre. Aber Klaus tut alles als Kleinigkeiten ab. Der Arzt könne da sowieso nichts machen, meint er. Dabei zwickt und zwackt es ihn an allen Ecken und Enden: Rückenschmerzen, chronischer Husten und immer wieder so ein Stechen in der Herzgegend.

Was habe ich ihn beschworen, doch endlich zum Arzt zu gehen. Doch Klaus meidet Doktoren wie der Teufel das Weihwasser. Seine Oma sei 95 geworden und habe seit 40 Jahren keine Praxis mehr von innen gesehen, sagt er dann.

Jeden Appell an seine Vernunft und an sein Verantwortungsgefühl mir und unseren Kindern gegenüber verpufft einfach. Wovor fürchtet er sich bloß so? Dass die Ärzte tatsächlich etwas bei ihm diagnostizieren? Aber das ist doch kein Todesurteil - schließlich gibt es Medikamente. Oder ist es falscher Stolz? Der alte Spruch vom Indianerherz, das keinen Schmerz kennt?

Klaus, ihr Mann sagt dazu:

Du meine Güte, was Brigitte immer nur hat! Wenn man erstmal jenseits der 40 ist, stellt sich nun mal das eine oder andere Zipperlein ein. Damit muss man leben. Alles in allem fühle ich mich topfit. Man ist so lange gesund, bis man zum Arzt geht – der findet schon irgendwas, um seine Honorarrechnung aufzupeppen.

Ich habe keine Lust, irgendwelche Pillen zu schlucken. Und dann vielleicht noch Pillen gegen die Nebenwirkungen der ersten. Wer erst einmal einem Doktor in die Hände fällt, wird doch nur noch kränker gemacht. Man liest doch überall von Fehldiagnosen. Meine Oma ist 95 Jahre alt geworden – eben weil sie 40 Jahre nicht zum Arzt gegangen ist!

Ich habe geantwortet:

Es gibt Menschen, die ununterbrochen in ihren Körper hineinhorchen und bei jedem kleinsten ungewohnten Signal zum Arzt gehen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die alle Beschwerden ignorieren und Ärzte so lange meiden, bis es wirklich nicht mehr geht.

Viele Männer gehören zu dieser zweiten Gruppe. Sie nehmen sich keine Zeit, sich genügend um ihren Körper zu kümmern, haben Angst, dem Arzt ausgeliefert zu sein, und Angst vor dem Sterben. Letztendlich entscheidet jeder selbst, wie er mit dem kostbaren Gut Gesundheit umgeht.

Sind andere Menschen unmittelbar davon betroffen, ist es jedoch hilfreich für das Zusammenleben, abzuwägen: Was können wir gewinnen bzw. verlieren, wenn wir die Vorsorge wahrnehmen und Schmerzen ernst nehmen? Welche Auswirkungen hat dies auf unsere Familie?

Was Sie tun können

  1. Suchen Sie im Freundeskreis nach Verbündeten. Gibt es Freunde, die Ihrem Partner zum Arztbesuch motivieren könnten? Gibt es Freunde, die aufgrund schlimmer Erfahrungen jetzt rechtzeitig zum Arzt gehen? Bringen Sie das Thema bei einem gemeinsamen Treffen auf den Tisch.
  2. Führen Sie Ihrem Partner plastisch vor Augen, dass Sie Angst haben, ihn zu verlieren. Füllen Sie mit ihm eine Patientenverfügung aus und machen Sie ein Testament.
  3. Wenn Sie mit ihm über Ihre Ängste bezüglich seiner Kindheit gesprochen haben und er nichts unternimmt, können Sie ihm nur Vorbild sein und zuhause auf seine gesunde Ernährung, auf körperlichen Ausgleich und Entspannung achten.
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