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Sexualität im Alter kann Spaß machen

älteres ehepaar

Sex im Alter kann genauso prickelnd und lustvoll sein wie in der Jugend. Bild © MAST - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Jahrzehntelang schien es, als ob sich Liebe, Erotik und Älterwerden ausschließen würden. Alex Comfort stellte nüchtern fest: "Ältere Menschen wurden noch nie über ihre sexuellen Aktivitäten befragt, weil jeder annahm, sie hätten keine - und jeder nahm an, sie hätten keine, weil man sie nie befragt hat".

In den letzten Jahren hat sich dies ein wenig geändert. Nicht zuletzt nehmen sich die schriftlichen Medien und Talkshows dieses Themas an, befragen ältere Menschen zu ihren sexuellen Erfahrungen und sprechen über ungleiche Paare, bei denen ein Partner wesentlich jünger als der andere ist.

Seltsamerweise wird älteren männlichen Partnern immer noch eher die Erlaubnis zu einer sexuellen Beziehung erteilt wie Frauen.

Ja, es wird sogar voller Stolz darüber berichtet, wenn Männer im Großvateralter noch Väter geworden sind.

Wie verändert sich die Sexualität im Alter?

Sexuelle Wünsche sind bei fast allen Menschen bis ins hohe Alter da. Andererseits wird das sexuelle Verlangen häufig dadurch blockiert, dass man sich aufgrund von Falten, Wehwehchen und Prothesen weniger attraktiv fühlt und man sich vielleicht schämt, sich dem Partner nackt zu zeigen.

Bei Männern als auch Frauen verändert sich die Funktionsweise des Körpers.

Körperliche Veränderung bei Männern
Männer brauchen länger, um zu einer Erektion zu kommen. Sie benötigen auch eine längere Pause, um nach dem Samenerguss wieder eine Erektion zu erlangen.

Potenzstörungen treten häufiger auf. Oft sind sie durch Medikamentennebenwirkungen und Krankheiten wie Diabetes und Arteriosklerose mitbedingt.

Samenerguss und Orgasmus werden weniger intensiv erlebt. Zum positiven verändert sich, dass Männer die Erektion während sexueller Stimulation länger aufrechterhalten und somit stärker auf die Frau eingehen können.

Körperliche Veränderungen bei Frauen
Die Wechseljahre und schließlich die letzte Regelblutung bedeuten für viele Frauen zunächst einmal einen Einbruch. In ihrer Vorstellung ist jetzt das Ende der Weiblichkeit erreicht.

Gelingt es ihnen, sich von dieser negativen Einstellung zu lösen, können sie jedoch noch einmal Leidenschaft erleben.

Nach einer Untersuchung von G. Witkin haben Frauen nach den Wechseljahren sogar einen größeren Appetit auf Liebe als gleichaltrige Männer. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass sie keine Angst vor einer Schwangerschaft mehr haben müssen.

In den Wechseljahren und danach werden zwar weniger Östrogene produziert, aber dafür steigt der Anteil männlicher Hormone. Die Scheidenwände werden bei vielen Frauen trocken und schmerzen beim Verkehr.

Abhilfe kann dann eine Gleitcreme schaffen. Ansonsten bleibt die weibliche sexuelle Erlebensfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten, sofern sie nicht durch Krankheiten oder Medikamentennebenwirkungen beeinträchtigt wird.

Demnach wäre von den organischen Voraussetzungen her für die Mehrzahl der älteren Menschen ein intensives sexuelles Erleben möglich, aber: die Lust beginnt im Kopf.

Diese Aussage klingt vielleicht erst einmal provokativ. Wie wirken sich wohl die folgenden Einstellungen auf unser sexuelles Verhalten aus:

Die Folge solch negativer Ansichten wird sein, dass wir keine Lust verspüren und uns vor sexuellen Kontakten drücken.

Wir lassen den Sex einschlafen. Wir werden uns auch kaum mit dem Partner darüber unterhalten, sondern nur hoffen, dass es ihm genauso geht.

Das Ende vom Lied ist häufig, dass wir uns sowohl der Chance auf ein erfülltes Sexualleben als auch der körperlichen Nähe und Berührung berauben.

Aus Angst davor, dass der andere "mehr" wollen könnte, lassen wir nicht einmal noch einen Kuss oder eine Umarmung zu.

Oder aber wir verurteilen uns für unsere noch bestehenden sexuellen Wünsche und Bedürfnisse.

Wir bestätigen unsere negativen Prophezeiungen, dass Alter und Sex einfach nicht zusammenpassen.

Neben unseren negativen Einstellungen können auch andere Faktoren unser Sexualleben erschweren - wie etwa dass unser Partner verstorben ist und wir Single sind und allein leben.

Wie das sexuelle Bedürfnis im Alter am Leben zu erhalten?

Sich auf sexuelle Phantasien oder auf das körperliche Zusammensein mit einem Partner einzulassen, ist eine ganz persönliche und freiwillige Sache.

Sofern keine körperlichen Behinderungen oder eine medikamentöse Behandlung im Wege stehen, können wir Sex bis ins hohe Alter haben - und ihn genießen.

1. Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn Sie unter nachlassendem sexuellen Interesse oder dem Versagen genitaler Reaktionen leiden. Ihr Arzt wird abklären, ob körperliche Ursachen dahinter stehen und beispielsweise Hormone verordnen.

2. Akzeptieren Sie Ihren Körper, auch wenn er Falten, Narben aufweist und die Erfahrungen des bisherigen Lebens widerspiegelt. Auch Ihr Partner ist nicht ohne Beulen davongekommen.

Das sexuelle Erleben ist unabhängig von Äußerlichkeiten. Wichtiger ist, auf den anderen einzugehen, ihn zu akzeptieren, zärtlich zu sein und seine Wärme und Nähe zu verspüren.

3. Haben Sie den Mut, wenn Sie alleine leben, auf andere zuzugehen und Kontakte zu knüpfen.

4. Akzeptieren Sie Ihre körperlichen Bedürfnisse und sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber. Überwinden Sie dabei die Angst, sich zu blamieren, ausgelacht oder abgelehnt zu werden. Es sind ganz normale menschliche Bedürfnisse, die Sie berechtigt sind, zu äußern.

5. Das sexuelle Verlangen muss gepflegt werden. Es bleibt nicht von alleine bestehen. Versuchen Sie, Neues auszuprobieren und sich innerlich auf Ihren Partner einzustellen.

Erinnern Sie sich daran, wie Sie sich früher vor den ersten Treffen im Geiste schon ausgemalt haben, Ihren Partner zu berühren. Nehmen Sie sich Zeit zum Kuscheln.

6. Wenn Ihr Partner kein Gefallen mehr am sexuellen Zusammensein findet oder Sie alleine leben, bleiben Ihnen immer noch sexuelle Träume und Phantasien und die Möglichkeit, sich selbst zu befriedigen.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


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