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Doris Wolf
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Welche Verhaltensweisen verschlimmern den Trennungsschmerz, welche lindern ihn?

Ihr Partner hat Sie verlassen. Nach einem anfänglichen Schockzustand, in dem Sie überhaupt nicht glauben konnten, dass Ihre Partnerschaft zu Ende ist, verspüren Sie nun die volle Macht Ihres seelischen Schmerzes. Es hat für Sie den Anschein, dass Sie nie mehr in Ihrem Leben glücklich sein können. Ihr Partner hat Sie verlassen und diese Lücke lässt sich nicht mehr schließen. Sie fühlen sich dem Trennungsschmerz ausgeliefert und haben den Eindruck, nichts dagegen unternehmen zu können.

In Wirklichkeit haben Sie jedoch eine ganze Menge an Einflussmöglichkeiten. Ihr Partner hat Sie verlassen, aber für Ihren Schmerz sind Sie zuständig. Lassen Sie uns einmal genauer anschauen, durch welche Verhaltensweisen Sie vielleicht Ihren Trennungsschmerz verstärken bzw. wie Sie ihn lindern können. Der Einfachheit halber spreche ich im Folgenden vom „dem Partner, der Sie verlassen hat“. Selbstverständlich könnte Sie auch Ihre Partnerin verlassen haben.

1. Sie grübeln ununterbrochen darüber nach, warum Ihr Partner sich von Ihnen getrennt hat.

Es ist verständlich und liegt in der menschlichen Natur, dass Sie die Gründe für die Trennung wissen und das Verhalten Ihres Ex-Partners verstehen wollen. Doch gibt es im Augenblick für Sie, selbst wenn Sie seine ganz konkreten Gründe wüssten, keine Möglichkeit, ihn zu verstehen. Es geht für Sie um das gefühlsmäßige Verstehen. Wäre Ihnen dies im Augenblick möglich, wären Sie von der Trennung emotional nicht überwältigt.

Was hilfreicher für Sie sein kann, um Ihren Trennungsschmerz zu lindern:

Grübeln über die Gründe schadet Ihnen im Augenblick nur und verstärkt Ihre Hilflosigkeit. Wenn Sie sich schon damit befassen wollen, dann bestimmen Sie einen bestimmten Zeitraum am Tag, in dem Sie sich mit dem Grübeln nach den Ursachen beschäftigen. Tauchen die Gedanken zu anderen Zeitpunkten auf, verschieben Sie das Grübeln auf diesen Zeitraum.

2. Sie belassen die Wohnung wie einen Schrein für Ihren Ex-Partner.

Aus der Hoffnung heraus, dass Ihr Partner zurückkommen wird, oder aber, dass er endgültig aus Ihrem Leben verschwinden könnte, lassen Sie zuhause alles unverändert. Seine Zahnbürste steht im Bad, seine Lieblingsgetränke sind im Kühlschrank. Gemeinsame Bilder aus glücklichen Tagen zieren die Wand. Vielleicht hören Sie sich auch seine Lieblingsmusik an oder „ihr Lied“. Das Problem dabei ist, dass diese Gegenstände und die Musik mit Ihrem Ex-Partner verknüpft sind und bei ihrem Anblick oder Klang verspüren Sie den Schmerz erneut und besonders stark. Es ist, als ob Sie in einer offenen Wunde bohren würden.

Was hilfreicher für Sie sein kann, um Ihren Trennungsschmerz zu lindern:

Legen Sie alles, was Sie an Ihren Ex-Partner erinnert, in eine Kiste, die Sie verschließen und wegstellen. Später, wenn Sie sich mit der Trennung abgefunden haben, können Sie die Gegenstände wieder hervorholen und als einen Teil Ihrer Lebensgeschichte betrachten - wenn Sie es dann noch möchten.

3. Sie kämpfen um eine zweite Chance.

Ihre gesamte Energie setzen Sie dafür ein, Ihren Ex-Partner zurückzugewinnen. Dieser Einsatz macht jedoch nur Sinn, wenn Ihr Ex-Partner offen dafür ist. Die Chance dafür ist, wenn überhaupt, nicht sehr hoch. Je mehr Sie sich jedoch bemühen, die Beziehung zu retten, umso schlechter fühlen Sie sich. Sie fühlen sich abgelehnt, entwürdigt, wütend ... Gleichzeitig gelingt es Ihnen nicht, sich emotional von Ihrem Partner zu lösen.

Was hilfreicher für Sie sein kann, um Ihren Trennungsschmerz zu lindern:

Arbeiten Sie daran, das Ende der Partnerschaft zu akzeptieren. Ziehen Sie eine ehrliche Bilanz, was es in der Partnerschaft an Problemen gab und was gut lief. Rufen Sie sich immer wieder in Erinnerung, dass der gemeinsame Weg zu Ende und die Beziehung nicht mehr zu retten ist.

4. Sie halten mit allen Mitteln den Kontakt zu Ihrem Ex-Partner.

Sie wollen den Kontakt zu Ihrem Ex-Partner auf keinen Fall verlieren, weil Sie glauben, ihn dann endgültig verloren zu haben. So rufen Sie ihn vielleicht zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten an, bombardieren ihn mit E-mails und SMS oder suchen Orte auf, wo Sie ihm „zufällig“ begegnen könnten. Das Problem dabei ist, dass Sie nicht die Reaktion von ihm bekommen werden, die Sie sich wünschen. Lernen loszulassen ist ein wichtiger Schritt zur Linderung Ihrer Trennungsschmerzen.

Was hilfreicher für Sie sein kann, um Ihren Trennungsschmerz zu lindern:

Sie reduzieren den Kontakt auf ein Minimum und pflegen möglichst nur schriftlichen Kontakt.

5. Sie sehen sich als Opfer, dem es nie mehr besser gehen wird.

Ihr Partner hat Sie verlassen und Sie können lediglich auf die Trennung reagieren – insofern sind Sie „Opfer“. Doch Ihr Ex-Partner bestimmt nicht über Ihr weiteres Leben. Wenn Sie sich einreden, dass es Ihnen nie mehr besser gehen kann, dann vergeben Sie Ihre Einflussmöglichkeiten. Es gab eine Zeit vor Ihrem Partner und so gibt es auch eine Zeit nach Ihrem Partner, in der Sie glücklich sein können. Jetzt sind Sie für Ihr seelisches Wohlbefinden verantwortlich.

Was hilfreicher für Sie sein kann, um Ihren Trennungsschmerz zu lindern:

Erinnern Sie sich, statt sich als Opfer zu sehen, ganz bewusst daran, wie Sie Ihr Leben vor Ihrer Partnerschaft gestaltet haben. Was hat Ihnen Freude bereitet? Welche Menschen haben Ihnen gut getan? Werden Sie aktiv und knüpfen wieder daran an.

6. Sie ziehen sich total von anderen Menschen zurück.

Sie ziehen sich von anderen Menschen zurück, weil Sie z.B. glauben, niemandem ging es so schlecht wie Ihnen, niemand könnte Sie verstehen oder Sie könnten andere Menschen nicht mit Ihrem Elend belasten. Gleichzeitig nehmen Sie sich durch dieses Verhalten die Möglichkeit, sich verstanden zu fühlen und unterstützt zu werden. Sie nehmen sich auch die Möglichkeit, von Ihrem Grübeln abgelenkt zu werden.

Was hilfreicher für Sie sein kann, um Ihren Trennungsschmerz zu lindern:

Halten Sie den Kontakt zu Ihren Freunden - auch wenn Ihnen nicht nach unbeschwertem Lachen zumute ist. Sie brauchen in deren Gegenwart nicht unbeschwert und strahlend zu sein. Ihre Freunde können Ihnen Trost geben und auch helfen, Ihr Selbstwertgefühl wieder ein wenig aufzubauen. Jede Minute, die Sie nicht an Ihren Ex-Partner denken, gönnt Ihrer Seele und Ihrem Körper Erholung und lindert Ihren Trennungsschmerz ein wenig.

7. Sie kümmern sich nicht um Ihren Körper.

Ihr seelisches Leid schlägt sich auch in Ihrem Körper nieder. Ihnen hat es z.B. den Appetit verschlagen oder Sie stopfen wahllos Süßigkeiten in sich hinein. Geregelte Mahlzeiten, wo Sie jetzt alleine sind, finden nicht mehr statt. Es könnte auch sein, dass Ihr Schlafrhythmus völlig aus den Fugen ist oder Sie Ihren Sport, den Sie vorher regelmäßig gemacht haben, fallen gelassen haben.

Das Problem dabei ist, dass Ihr Körper gerade in dieser Trennungsphase besonders viel Unterstützung und Zuwendung benötigt.

Was hilfreicher für Sie sein kann, um Ihren Trennungsschmerz zu lindern:

Gewöhnen Sie sich an, für regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen (z.B. Fruchtsäfte und Mineralwasser). Essen Sie regelmäßig. Kochen Sie vor und frieren es ein oder essen zumindest Joghurt und Obst. Sie können sich natürlich auch jemanden zum Essen einladen. Ihre Spannung sollten Sie durch regelmäßige Entspannungsübungen oder körperliche Bewegung abbauen.

Nun wissen Sie, durch welche Verhaltensweisen Sie Ihren Trennungsschmerz verstärken. Umgekehrt wissen Sie aber auch, was Sie tun können, um Ihre Trennungsschmerzen zu mildern. Auch wenn Ihnen dies nicht immer gelingen mag, zählt jede Minute, in der Sie etwas dafür tun, Ihre Gedanken in eine neue Richtung zu lenken, aktiv oder entspannt zu sein.

© 2010 Dr. Doris Wolf - Verhaltensweisen, die den Trennungsschmerz verschlimmern, Trennungsschmerzen lindern
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