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Aus meiner Ehe- und Paarberatung:

Mein Mann will keinen Sex mehr seit der Geburt

Leserfrage Partnerschaftsproblem Dorothea schildert folgendes Problem:

Wir hatten uns so auf unser Baby gefreut und geglaubt, dass unsere Liebe dadurch noch stärker würde. Doch seit die Kleine da ist, läuft bei uns im Bett nichts mehr.

Eigentlich hört man doch immer, dass die Frau nach der Geburt eine ganze Zeit lang keine Lust auf Sex hat. Bei uns ist das umgekehrt.

Christoph scheint in mir nur noch die Mutter seines Kindes zu sehen, nicht mehr die Geliebte. Wenn ich mich an ihn rankuschel, hat er immer irgendwelche Vorwände: Er müsse am nächsten Tag früh raus, er hätte Kopfschmerzen, wir könnten das Kind stören.

Ich verstehe gar nicht, warum er mich plötzlich nicht mehr attraktiv findet.

Vielleicht wäre Christoph besser nicht bei der Geburt dabei gewesen. Vielleicht hat es ihn verstört, mich so schreiend und blutig in den Wehen gesehen zu haben.

Leserfrage Partnerschaftsproblem Christoph, ihr Mann, sagt dazu:

Wenn so ein kleines Wesen da ist, tritt alles andere zurück. Dorothea hat etwas Wundervolles vollbracht, indem sie unserem Baby das Leben geschenkt hat.

Jetzt ist es wichtig, dass sie für die Kleine da ist. Aber ich mag ihren Körper nicht teilen müssen.

Ihre Brust dient jetzt nicht ihrem oder meinem Lustgewinn, sondern der Ernährung eines Kindes. Das ist okay, wir können später immer noch Sex haben.


Ich habe geantwortet:

Wenn das erste Kind geboren wird, ist dies ein gewaltiger Einschnitt für beide Partner. Beide müssen sich erst in ihrer Elternrolle zurechtfinden.

Das Kind steht im Vordergrund. Man geht weniger aufeinander ein, der Kontakt zu Freunden reduziert sich, alte Gewohnheiten passen nicht mehr. Der sexuelle Kontakt wird weniger - zumindest in der ersten Zeit.

Häufig empfindet die Mutter wenig sexuelles Verlangen, weil sie sich voll und ganz der Betreuung des Babys widmet. Schmerzen im Genitalbereich, wenig Schlaf und Erschöpfung tragen außerdem zur Lustlosigkeit bei.

Aber auch Männer können ihre Lust verlieren, wenn sie sich an schlimme Erfahrungen während des Geburtsvorgangs erinnern, oder aber dem Baby quasi zu diesem Zeitpunkt auch den Körper der Mutter ganz überlassen wollen.

Es ist deshalb wichtig, dass beide Partner über ihre Wünsche sprechen, und sich Zeit lassen, neue Rituale zu entwickeln.

Was Sie tun können

1. Sprechen Sie mit ihm über Ihre Angst, nicht mehr geliebt zu werden. Erinnern Sie sich daran, dass die Tatsache, dass Ihr Partner im Augenblick nicht mit Ihnen schlafen möchte, keinesfalls bedeutet, dass er Sie unattraktiv findet.

2. Zeigen Sie Ihrem Mann weiterhin, dass Sie seine Nähe brauchen. Kuscheln Sie mit ihm, streicheln Sie ihn, aber verlangen Sie nicht, dass es zum Geschlechtsverkehr kommt. Genießen Sie es einfach, ihm körperlich nahe zu sein.

3. Pflegen Sie die Partnerschaft, indem Sie sich beide auch Zeit für die Zweisamkeit nehmen. Engagieren Sie einen Babysitter oder bitten Sie Freunde oder Verwandte, Ihr Kind zu beaufsichtigen.

So kann Ihr Partner erleben, dass es für Sie weiterhin noch ein Leben ohne Kind gibt. Sexualität nach der Schwangerschaft


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


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