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Autorin: Dr. Doris Wolf, Diplom-Psychologin
Für manche Paare ist eine Wochenendbeziehung oder eine Fernbeziehung eine große Belastung, für andere ein Gewinn.
Die Gefahren einer Wochenendebeziehung liegen z.B. darin, dass beide Partner große Erwartungen an das Wochenende haben, dass die Pflichten ungleich verteilt sind, dass die Spontaneität auf der Strecke bleibt und man sich auseinander lebt.
Die Vorteile einer Wochenendbeziehung liegen z.B. darin, dass beide Partner eigenständig bleiben, die gemeinsame Zeit bewusster erlebt wird, Neugier und erotische Anziehung erhalten bleiben und neue Impulse in die Partnerschaft eingebracht werden.
Für eine erfolgreiche Partnerschaft müssen sich beide Partner über das Pendeln einig sein. Außerdem sollte das Pendeln zeitlich begrenzt sein. Nicht das gesamte Wochenende sollten die Partner vorausplanen, um auch noch Platz für Spontanes zu haben. Wenn es geht, sollten sie sich mit dem Fahren abwechseln. Sie sollten Probleme gezielt ansprechen und auch über ihre Gefühle des Ärgers und der Enttäuschung sprechen. Manchmal ist es sinnvoll, die Streitigkeiten auch schon am Telefon unter der Woche zu klären.
Eine Klientin schrieb mir:
Mein Mann hat dieser Tage von seinem Chef mitgeteilt bekommen, dass die Niederlassung, in der er arbeitet, geschlossen wird. Sein Chef hat ihm einen anderen Arbeitsplatz 400 km weit von unserem Wohnort entfernt angeboten. Da in unserem Umfeld Arbeitsplätze nicht so reich gesegnet sind, wird mein Partner wohl das Angebot annehmen. Es läuft also alles auf eine Wochenendbeziehung hinaus. Wir haben beide Angst davor. Worauf sollen wir achten?
Ich habe ihr geantwortet:
Die Umstellung auf eine Wochenendpartnerschaft stellt meist ein großer Einschnitt für die Partner dar. Die meisten Rituale, die sie sich im Laufe der Zeit aufgebaut haben, entfallen. Es gibt nur noch am Wochenende gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsame Aktivitäten und Kuscheln am Abend. Für die Alltagspflichten ist plötzlich nur noch ein Partner zuständig. Wenn Kinder da sind, hängt auch die Erziehung an ihm. Doch können auch auf Distanz neue Rituale aufgebaut werden. Wichtig ist, dass Sie und Ihr Partner sich über das Pendeln einig sind. Sie können sich beide auch einen Zeitrahmen setzen, wie lange Sie sich aufs Pendeln einlassen wollen. Sie sollten sich auch gegenseitig vertrauen und nicht beginnen, den Partner zu kontrollieren. Bemühen Sie sich unter der Woche um eigene Aktivitäten, so dass Sie nicht nur auf den Anruf Ihres Partners warten.
Planen Sie das Wochenende gemeinsam vor - am besten nicht allzu viele Aktivitäten außerhalb des Hauses, weil sie erst mal Zeit benötigen, sich auf einander einzustimmen. Verplanen Sie auch nicht das gesamte Wochenende, damit auch Platz für Spontaneität bleibt.
Überhäufen Sie Ihren Partner am Wochenende auch nicht mit allzu vielen Alltagspflichten, oder zumindest nicht gleich, wenn er kommt. Akzeptieren Sie auch, dass er zunächst ein wenig "fremdelt". Sprechen Sie Probleme gezielt an und sprechen Sie auch über Ärger und Enttäuschung. Manchmal ist es sinnvoll, die Streitigkeiten auch schon am Telefon unter der Woche zu klären.
Nach Möglichkeit sollte Ihr Partner auch erst am Montagmorgen abfahren. Auf diese Weise haben Sie den ganzen Sonntag noch für sich. Vergessen Sie auch nicht, sich mit Ihrem Partner gemeinsame zukünftige Ziele auszumalen. Und natürlich gibt es bei Wochenendbeziehungen auch eine positive Seite: Sie lernen Ihren Partner neu schätzen, verspüren wieder Sehnsucht und Prickeln und schätzen die gemeinsame Zeit mehr.
© 2005-2012 Dr. Doris Wolf - 1x1 einer guten Partnerschaft - Partnerschaft Lexikon - Fernbeziehung - Wochenendebeziehung
Kränkungen - Respekt - Rituale - Routine - Missachtung - Erwartungen - Beziehungscheck - Absprachen - Ablehnung