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Schweigen - wenn man sich nichts mehr zu sagen hat

Paar hat sich nichts mehr zu sagen

Nach Jahren des Zusammenseins herrscht in vielen Beziehungen das große Schweigen. Man hat sich nichts mehr zu sagen. Bild © pressmaster - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Erinnern Sie sich noch an die ersten Tage und Wochen mit Ihrem Partner? Worüber haben Sie sich mit Ihrem Partner ausgetauscht?

Was wollten Sie ihm unbedingt alles mitteilen? Was wollten Sie unbedingt alles von ihm wissen?

Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, dann hat der Wunsch nach Austausch und die Zeit, die sie sich füreinander nehmen, im Laufe der Partnerschaft deutlich nachgelassen.

Alles beginnt so gut, doch dann nimmt gewöhnlich die Entwicklung ihren Lauf.

Nach Statistiken sprechen Paare nach sechsjähriger Partnerschaft im Durchschnitt noch 10 Minuten täglich miteinander.

Lassen Sie uns die einzelnen Beziehungsphasen nochmals anschauen:

1. Verliebtheitsphase

Wir können gar nicht genug bekommen, uns gegenseitig von unserer Vergangenheit und den Zukunftsplänen zu erzählen und die Zeit miteinander zu verbringen: Hauptsache: mit dem Partner zusammen sein, eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt, Neues wird dem Partner zuliebe ausprobiert.

2. Verhandlungsphase

In dieser Phase erkennen wir die Schwächen des Partners. Der Kampf um die Veränderung des Partners beginnt. Wir nörgeln, kritisieren, aber verbringen auch noch viel Zeit miteinander. Die eigenen Wünsche bringen wir nun verstärkt ein.

3. Stillstandsphase

In dieser Phase sind die Themen: Akzeptieren des Partners und das Arrangieren von Kompromissen oder aber Resignation/Schweigen.

Die tägliche Routine erstickt den Austausch über Gefühle, Veränderungen und Einstellungen. Gesprochen wird meist nur noch über die Alltagsorganisation, den Berufsalltag, wer wann was fernsieht, was die Kinder angestellt haben, etc.

Worauf kann das Schweigen hinweisen?

Das Schweigen kann ein Hinweis darauf sein,

a) das  jeder sein eigenes Leben lebt und die Partnerschaft nur noch eine Zweckbeziehung ist.

b) dass wir resignieren, aber innerlich noch Wünsche haben, die wir jedoch glauben, nicht erfüllt zu bekommen.

c) dass uns vorübergehend äußere Ziele wie z.B. Karriere oder ein Hobby wichtiger sind.

Was wir dem Schweigen gewöhnlich entgegensetzen

Meist leidet die Frau mehr unter dem Schweigen als der Mann, weil sie stärkere Bedürfnisse nach Kommunikation und Nähe hat.

Ist sie nicht berufstätig, fühlt sie sich verstärkt abgeschnitten von der Kommunikation. Wenn sie erkennt, dass ihr etwas in der Partnerschaft fehlt, beginnt sie gewöhnlich, aktiv zu werden:

Mit der Zeit schlägt die Enttäuschung in Wut, Sarkasmus oder Depression/Rückzug um. Das sexuelle Verlangen lässt nach. Manchmal versucht sie dann, außerhalb der Partnerschaft ihr Bedürfnis nach Kommunikation zu stillen.

Was tun, um wieder ins Gespräch mit dem Partner zu kommen?

Brechen Sie aus der täglichen Routine aus.

Am besten gelingt das durch ein Wochenende in einem romantischen Hotel oder im längeren Urlaub - aber bitte nicht an einen Ort, an dem Sie vor lauter Einstellung auf die total andere Kultur wieder nicht zur Zweisamkeit kommen und zudem noch die Saat für viele Konflikte gelegt wird.

Telefon, häuslicher Alltag und Berufsleben haben meist im Urlaub keinen Platz. Damit wird es automatisch einfacher, sich aufeinander zu konzentrieren.

Jedoch besteht dann auch die Gefahr, sich anzuschreien und all seinen Frust in unangemessener Form herauszulassen.

Wenn Urlaub nicht möglich ist, dann kann auch das Essen im Restaurant oder ein längerer Spaziergang eine gute Gelegenheit zum Austausch sein.

Sprechen Sie sich mit Ihrem Partner aus

Ziehen Sie mit ihm Bilanz:

Was kann im Alltag helfen, im Gespräch zu bleiben?

Test: Wie gut ist die Kommunikation in Ihrer Partnerschaft?

1. Sitzt Ihr Partner nur noch vor dem Fernseher, hinter der Zeitung oder verzieht sich in den Hobbykeller oder vor den Computer, anstatt die Zeit mit Ihnen zu verbringen?

2. Kann Ihr Partner mit Freunden lachen und charmant sein, während sie beide kaum noch zusammen lachen?

3. Macht Ihr Partner sich bei dicker Luft dünn?

4. Lässt Ihr Partner sich zuhause gehen und achtet nicht mehr auf sein Äußeres?

5.  Freuen Sie sich nicht mehr auf Ihren Partner und gehen ihm aus dem Weg?

6. Vertraut Ihr Partner seinen Freunden mehr als Ihnen?

7. Bedeutet Ihnen Sex nichts mehr?

8. Ist es ihm gleichgültig, wie Sie aussehen?

9. Haben Sie keine gemeinsamen Interessen und Freunde mehr?

10. Reden Sie nur noch über Alltagsprobleme?

11. Vergisst Ihr Partner Ihren Geburtstag?

12. Macht Ihr Partner Ihnen keine Komplimente mehr?

13. Teilt Ihr Partner Ihnen nichts mehr über seine beruflichen Probleme mit?

14. Interessiert sich Ihr Partner nicht mehr für Ihre Meinung, Probleme und Gefühle?

15. Diskutieren Sie Konflikte und Meinungsverschiedenheiten nicht mehr aus?

Auswertung

Bei mehr als 5 Ja-Antworten ist es für Sie an der Zeit, Bilanz zu ziehen und mit Ihrem Partner über Ihre Beobachtungen zu sprechen. Ihre Partnerschaft und Ihre Liebe sind gefährdet.


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


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