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Viele Menschen haben Angst vor Kritik und/oder tun sich schwer damit, einen anderen zu kritisieren. Auch Partner kritisieren sich in einer guten Partnerschaft von Zeit zu Zeit, in einer schlechten Partnerschaft gibt es nur noch Kritik.
Die Kritik macht uns so stark zu schaffen, weil wir darunter meist negative oder destruktive Kritik verstehen. Mit dieser Form der Kritik soll der andere getadelt oder sogar abgewertet oder verletzt werden. Positive oder konstruktive Kritik soll dem anderen hingegen gut tun und ihn unterstützen, damit er sich weiterentwickelt.
Sowohl derjenige, der die Kritik formuliert, als auch derjenige, dem die Kritik gilt, bestimmen darüber, ob Kritik die Harmonie in der Partnerschaft zerstört oder erhält.
Der Kritisierende
Der Kritisierte
Eine Klientin sagte mir
Ich lebe seit 5 Jahren mit meinem Partner zusammen. Er nörgelt immer an mir herum und will, dass ich mich ändere. Nur dann könne er mich wirklich lieben. Ich fühle mich durch ihn unter Druck gesetzt und frage mich, ob das der Preis einer Partnerschaft sein kann.
Ich antwortete ihr:
Ich möchte Ihnen mit einem entscheidenden Satz des bekannten Psychotherapeuten Perls antworten. Er lautet: „Ich bin nicht auf dieser Welt, um nach deinen Erwartungen zu leben.“ Eine Partnerschaft, die unter dem Vorbehalt startet, dass der Partner sich erst grundsätzlich ändern müsse, steht auf sehr schwachen Beinen.
Es gibt andererseits kaum eine Partnerschaft, in der beide Partner den anderen bedingungslos lieben. Meist müssen wir uns mit einigen Denk- und Verhaltensweisen unseres Partners arrangieren. Sie gefallen uns nicht, aber wir sind bereit, damit zu leben. Genau diese akzeptierende Einstellung hilft uns, unseren Partner zu lieben. Eine Partnerschaft beruht aber auch darauf, dass wir unserem Partner entgegenkommen und uns um Kompromisse bemühen. Die Grenzen für einen Kompromiss sind an dem Punkt, an dem unsere moralischen Werte infrage gestellt werden und wir uns dadurch körperlich oder seelisch schaden. Wenn wir nämlich einem anderen zuliebe etwas an uns verändern, dann gehen wir dabei das Risiko ein, dass „wir uns selbst verlieren“. Das ist dann der Fall, wenn wir unsere eigenen Werte und unsere Lebensziele verraten. Wir passen uns damit den Vorstellungen des Partners an und machen uns auch von ihm abhängig. Er ist dann derjenige, der für unseren Selbstwert zuständig ist. Wenn er uns für unser Verhalten lobt, fühlen wir uns gut.
Sinnvoll ist es, sich zu ändern, wenn der Anstoß zur Veränderung zwar von unserem Partner ausgeht, aber wir selbst dann auch voll und ganz hinter der Veränderung stehen wir also sein Ziel zu unserem persönlichen Ziel machen.
Wenn dich an deinem Partner etwas stört, worunter du sehr leidest, ist es wichtig, dass du deinen Partner darüber informierst. Durch deinen Ärger oder deine Enttäuschung entfernst du dich sonst immer weiter von ihm und die Liebe stirbt.
Bemühe dich, ihm ganz konkret zu sagen, was dich belastet, und vermittle ihm, dass du ihm das sagst, gerade weil du ihn liebst und dir die Partnerschaft wichtig ist. Erlaube ihm, erst mal enttäuscht, ärgerlich oder verletzt zu sein. Das zu verhindern, liegt nicht in deiner Macht. Die Liebe zeigt sich eben auch in dem Mut, dem anderen ab und zu etwas Unangenehmes zu sagen. Wer sonst könnte ein besserer Kritiker sein, als du, der du ihn liebst und sein Bestes willst?
© 2005-2010 Dr. Doris Wolf - 1x1 einer guten Partnerschaft - Partnerschaft Lexikon - Kritik in der Partnerschaft - nörgeln
Kränkungen - Respekt - Rituale - Routine - Missachtung - Erwartungen - Abwertung - Absprachen - Ablehnung