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Aus meiner Ehe- und Paarberatung:

Mein Partner will überall Sex

Leserfrage Partnerschaftsproblem Sandra schildert folgendes Problem:

Mein Mann verlangt zu den unmöglichsten Zeiten und an den unmöglichsten Orten Sex von mir. Eigentlich könnte ich mich ja geschmeichelt fühlen, nach so vielen Jahren Ehe noch so begehrt zu werden. Aber er übertreibt es wirklich - im wahrsten Sinn des Wortes.

Ich habe meiner besten Freundin schon mal davon erzählt - die dachte, ich wollte sie auf den Arm nehmen. Die äußerte sich so in der Richtung "Na, deine Sorgen möchte ich haben - sei doch froh!"

Das hat sie ihm auch einfach nicht zugetraut. Timo ist nämlich so ein ganz ruhiger Typ, ja, er wirkt beinahe ein wenig intellektuell. Aber das ist so ein typischer Fall für "Stille Wasser sind tief", denn zuhause benimmt er sich wie ein Steinzeitmensch, der sein Weibchen an den Haaren in die Höhle schleppt.

Nur ein paar Beispiele: Wenn ich in der Küche stehe und abwasche, umfasst er von hinten meine Brüste und reibt sich an meinem Po. Wenn ich unter der Dusche stehe, stellt er sich mit dazu.

Kaum sitzen wir auf dem Sofa vor dem Fernseher, fängt er an zu fummeln - selbst bei der Tagesschau. Ich kann noch so müde sein, er macht an mir herum und will sein Vergnügen.

Unterwegs ist es nicht anders. Wenn wir einen Waldspaziergang machen, will er es mit mir im Gebüsch tun. Oder auf einer Wiese. Er will Sex im Fahrstuhl, Sex im Parkhaus.

Ich mag schon bald gar nicht mehr alleine mit ihm unterwegs sein. Und dann immer und überall diese anzüglichen Bemerkungen. Aus allem macht er ein Wortspiel mit sexueller Bedeutung. Das törnt mich aber total ab und das habe ich ihm immer wieder gesagt - zwecklos.

Wie ein pubertierender Teenager macht er mich an. Und wehe, ich weise ihn zurück. Dann mault er gleich, ich solle mich nicht so anstellen. Er hat mich sogar schon als frigide beschimpft.

Sex ist für ihn so eine Art Blitzableiter und Selbstbestätigung - ich brauche es lieber langsam und mit Gefühl. Und nicht zwei- oder dreimal täglich, wie er es gerne hätte.

Im Sommer ist es immer besonders schlimm. Neulich hat er mich sogar gefragt, ob ich nicht Lust auf einen Partnertausch im Swingerclub hätte. Was für ein absurder Gedanke, das käme für mich nie in Frage.

Ich liebe meinen Mann und habe auch gerne ab und zu Sex mit ihm - aber es ist, als wenn er immer triebhafter wird.

Leserfrage Partnerschaftsproblem Timo, ihr Mann, sagt dazu:

Ich weiß gar nicht, was Sandra hat. Sex ist doch etwas Wunderschönes und gehört zu einer Ehe auch einfach dazu. Was ist denn gegen eine schnelle Nummer zwischendurch einzuwenden? Davon schwindet weder das Rückenmark noch der Verstand.

Wir sind schließlich erwachsene Menschen. Und so lange, wie wir verheiratet sind, sollte sie doch eigentlich froh sein, dass ich immer noch sie begehre.

Wenn ich nur höre, was meine Kollegen so alles an Affären haben! Bei denen ist es umgekehrt: Die verausgaben sich auswärts so, dass sie dann zuhause keine Lust mehr haben.

Das kann es ja nun auch nicht sein, oder? Aber wenn ich sexuell nicht auf meine Kosten komme, muss wirklich überlegen, ob ich mir den sexuellen Kick woanders hole.

In den Medien sind ja ständig Berichte, was es da alles noch so an Spielarten gibt. Ich bin nun mal einfach neugierig.


Ich habe geantwortet:

Über sexuelles Verlangen läßt sich nicht streiten. Menschen unterscheiden sich darin, wie oft sie Lust auf Sex haben, wie sie erregt werden und was sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse benötigen.

Natürlich spielt auch eine Rolle, welchen Stellenwert im Leben man der Sexualität generell beimisst. Manchen Menschen genügt einmal im Monat Geschlechtsverkehr, andere wollen mehrmals täglich.

Sandra und Timo liegen in ihren Bedürfnissen sehr weit auseinander. Je mehr Timo verlangt, desto stärker wird sich Sandra von ihm zurückziehen, bis sie sich vielleicht sogar vor ihm ekelt.

Andersherum wird Timo aber auch immer mehr fordern, je stärker sich Sandra verweigert. Drohungen, fremdzugehen, oder der Vorwurf der Frigidität helfen in einer solchen Situation nicht, sondern verschärfen sie nur.

In einer Partnerschaft gibt es nicht die Verpflichtung, immer Lust haben zu müssen, wenn der Partner Lust hat. Timo und Sandra müssen aus diesem Kreislauf heraus und miteinander reden, wie sie beide wieder Freude am Sex empfinden können.

Was beide tun können

1. Timo sollte sich mehr darum bemühen, die sexuellen Vorlieben von Sandra zu erfüllen. Dann wird sie auch mehr Lust empfinden.

2. Timo sollte die Grenzen von Sandra akzeptieren. Wenn sie müde ist oder dem Swinger-Club ablehnt, dann sollte er dieses Nein akzeptieren. Die Grenze der Neugierde ist da, wo ein Partner nicht mehr mitgehen möchte.

3. Sandra muß lernen, mit den Berührungen von Timo wieder etwas Positives zu verknüpfen.

4. Sandra sollte sich überlegen, ob sie Timo nicht ab und zu mit ihren Händen befriedigen will - wenn sie keine Lust hat, so dass beiden gedient ist.

Unter Umständen ist Timo aber auch sexsüchtig, was abzuklären wäre.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


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