Als ich neulich an Michaels Computer im Internet surfte, geriet ich zufällig in ein Verzeichnis mit Sex-Webseiten, das er angelegt hatte. Ich habe ein paar Seiten aufgerufen und fand sie ziemlich geschmacklos. Dass ihn so etwas anmacht, macht ihn mir sehr fremd. Ich habe ihn darauf angesprochen, ob er auch in Porno-Kinos geht. Da hat er nur ausweichend geantwortet und ist richtig rot geworden.
Ich stehe fassungslos vor dem sexuellen Schattenleben, das mein Mann an den Tag legt. Und ich frage mich langsam, ob er schon in den Bereich der Sexsucht kommt.
Unser Sexualleben ist eigentlich normal, was die Häufigkeit und die Art des Verkehrs angeht. Offensichtlich holt er sich aber noch einiges von außen. Wenn er diese Energie auf mich verwenden würde, ginge es bei uns sicher leidenschaftlicher im Bett zu. Aber seine Sexgeschichten nehmen mir sogar die Lust auf Sex mit ihm.
Ich habe auf diese Frage geantwortet:
Hallo Gudrun
Menschen sind sehr unterschiedlich in der Art und Weise, wie sie sexuell erregt werden. Während die einen, meist Frauen, Lust entwickeln, wenn sie einen romantischen Film anschauen und sich dem Partner emotional sehr nahe fühlen, empfinden andere den Anblick von Nacktbildern und Filmen (auch) lustvoll.
Sachlich betrachtet, kann das Ansehen erotischer Filme und Sex-Seiten die Nähe des Partners nicht ersetzen. Deshalb hängt es von der Sichtweise des Partners ab, ob er sich dadurch gedemütigt, betrogen oder angeekelt fühlt.
Wenn die sexuellen Vorlieben beider Partner sowie die moralischen Werte, was man tun darf und was nicht, sehr weit auseinander liegen, dann ist es Zeit, über eine Trennung nachzudenken.
So lange man den Partner nicht gefährdet oder zu Aktivitäten zwingt, die er nicht möchte, hat jeder das Recht, seine sexuellen Vorstellungen auszuleben.
Was Sie tun können
1. Sprechen Sie mit Ihrem Partner über Ihre Ängste, ihm in sexueller Hinsicht nicht zu genügen. Teilen Sie ihm Ihre Wünsche und Vorstellungen mit, wie Sie beide leidenschaftlicher werden können.
2. Prüfen Sie, ob Sie die Qualität Ihrer Partnerschaft wirklich am sexuellen Verhalten Ihres Partners fest machen wollen. Sollte Ihr Partner sich in diesem Bereich nicht verändern, würde dies für Sie das Scheitern der Partnerschaft bedeuten, oder gibt es noch genügend andere Gemeinsamkeiten, die überwiegen?
3. Wenn Sie mit Ihrem Partner weiterhin zusammen leben und glücklich sein möchten, dann müssen Sie die sexuellen Aktivitäten Ihres Partners akzeptieren. Nur wenn er es möchte, wird er sich verändern.
© 2010 Dr. Doris Wolf - Eheberatung - Dr. Doris Wolf nimmt Stellung zu Partnerschaftsproblemen
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