ratgeber kränkungen

Aus meiner Ehe- und Paarberatung:

Mein Freund flirtet ständig mit anderen Frauen

Leserfrage Partnerschaftsproblem Rachel schildert folgendes Problem:

Es scheint so ein Automatismus zu sein: Wann immer mein Freund eine halbwegs ansehnliche Frau sieht, fängt er an, mit ihr zu flirten.

Wenn ich an die anstehenden Silvester- und Neujahrspartys denke, ist mir so gar nicht nach Feiern zumute. Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist: Mit meinem Freund auf eine Party zu gehen und dieses ständige Geflirte und Gebalze mit ansehen zu müssen, oder zuhause zu bleiben und sich vorzustellen, was er wieder für eine Show abzieht. Das eine ist so schaurig wie das andere.

Es stört ihn anscheinend überhaupt nicht, dass ich daneben stehe, wenn er sich mit anderen Frauen bekannt macht, wie er das nennt.

Auch wenn wir unterwegs sind, kennt er kein Halten. Sein Opfer kann die Kassiererin im Supermarkt genauso sein wie die Kellnerin im Restaurant oder die Garderobiere im Theater.

Dieses Gesülze, Gelächle, Augengezwinkere, wie ich das hasse! Erniedrigend und demütigend finde ich sein Verhalten.

Das fällt nicht nur mir auf, ich werde auch immer wieder von Freunden und Bekannten darauf angesprochen. Ich kann mir nichts Peinlicheres vorstellen. Wenn ich ihn darauf anspreche, macht er einen auf beleidigt und stellt mich als krankhaft eifersüchtig hin.

Ich möchte nicht wissen, wie er im umgekehrten Fall reagieren würde, wenn ich ständig anderen Männern schöne Augen machen würde.

Er beteuert zwar immer, dass das alles nichts mit mir zu tun hätte und ich mir nichts dabei denken müsse. Ich würde ihm das zwar gerne glauben, aber es heißt ja auch: Gelegenheit macht Liebe.

Und ganz plötzlich kann aus Spaß Ernst werden. Das wäre schließlich nicht das erste Mal. Wie kann er mir das antun, wenn er mich doch angeblich so liebt?

Andere Männer brauchen das doch auch nicht für ihr Selbstbewusstsein. Betrachtet er unsere Beziehung am Ende vielleicht auch nur als einen großen Flirt?

Leserfrage Partnerschaftsproblem Frank, ihr Mann, sagt dazu:

Also bitte, ich weiß wirklich nicht, warum ich mir einen harmlosen Flirt versagen sollte. Ich finde, gegessen wird zwar zuhause, aber ein bisschen Appetit darf man sich ruhig holen, oder?

Ich gebe ja zu, dass ich es genieße, auf andere attraktiv zu wirken. Aber das allein ist doch nicht schlimm. Im Gegenteil: Ich fühle mich erfolgreicher, selbstbewusster - und das kommt nicht zuletzt meiner Beziehung zugute.

Ohne so ein gewisses Prickeln wäre es doch auf jeder Party total langweilig. Wäre es denn besser, wenn ich mich wie alle anderen einfach nur sinnlos betrinken würde?

Und außerdem: Auch wenn ich in festen Händen bin, möchte noch immer ich derjenige sein, der über mich bestimmt. Meine Freundin hat schließlich nichts zu befürchten, ich bin ihr absolut treu. Das weiß ja wohl keiner besser als ich.

Deswegen finde ich ihre ständige Eifersucht nervig und überflüssig. Warum lässt sie mir nicht einfach meine Freiheiten? Deswegen geht ihr doch nichts verloren, das bildet sie sich doch bloß ein.

Und so manchen Flirt hat sie durch ihre Art erst provoziert. Bevor ich den Abend festgekettet an der Seite einer eifersüchtigen Frau verbringe, suche ich mir doch lieber eine nettere Gesellschaft.


Ich habe geantwortet:

Wenn unser Partner ab und zu mal mit einem anderen flirtet, so kann ihm dies Spaß machen und sich positiv auf sein Selbstwertgefühl auswirken.

Gleichzeitig kann sich dies jedoch auf uns und unsere Partnerschaft negativ auswirken - dann wenn wir das Verhalten unseres Partners als erniedrigend und demütigend bewerten.

Wir werden uns umso eifersüchtiger und stärker verletzt fühlen, je mehr wir an uns, unserer Attraktivität und an der Liebe des Partners zweifeln.

Es ist dabei immer schwierig festzustellen, ob der Partner es mit seiner Flirterei "übertreibt" oder ob wir zu viel in sein Verhalten "hineininterpretieren".

Ihn zu bitten, sich zu ändern, ist ein Versuch wert. Wir können jedoch nur unsere Bewertungen und unser Verhalten steuern. Wir haben die Wahl, seinem Verhalten gleichgültiger gegenüberzustehen, oder uns zu entscheiden, uns zu trennen.

Unter seinem Verhalten zu leiden, uns eifersüchtig zu machen und auf die Veränderung des Partners zu warten, ist die schlechteste Alternative.

Was Sie tun können

1. Erinnern Sie sich daran, dass das Verhalten Ihres Partners nichts mit seiner Liebe zu Ihnen zu tun hat. Er hat wahrscheinlich ein geringes Selbstwertgefühl und braucht viel Bestätigung von außen, um sich gut zu fühlen.

2. Überlegen Sie, ob Sie sein Verhalten auch humorvoll betrachten können, beispielsweise, indem Sie sich vorstellen, er sei ein balzender Pfau oder ein Gockel, der sich aufplustert.

3. Sprechen Sie in einer ruhigen Minute mit Ihrem Mann und sagen Sie ihm, was Sie ganz besonders an seinem Verhalten stört, was Sie dabei empfinden und wie Sie sich sein Verhalten wünschen.  

4. Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein und Ihr Einfühlungsvermögen in Ihren Partner, indem Sie sich auch einmal im Flirten erproben. Außerdem könnte dies die Bereitschaft Ihres Partners, sich zu ändern, fördern, wenn er am eigenen Leibe erlebt, wie sich dies anfühlt.

Beiträge, die Sie auch interessieren könnten

Wie sich Eifersucht äußern kann

Digitale Eifersucht


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


newsletter

© 2010-2016 Dr. Doris Wolf - Eheberatung bei Partnerschaftsproblemen
Haftung/Copyright/Impressum/Datenschutz