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Aus meiner Ehe- und Paarberatung:

Plötzlich bin ich ihm zu dick

Leserfrage Partnerschaftsproblem Alexa schildert folgendes Problem:

Blöde Bemerkungen, ständige Vergleiche mit anderen Frauen und deutliche Zurückhaltung im Bett: Plötzlich bin ich meinem Mann zu dick.

Früher war ich mit meiner Figur eigentlich immer ganz zufrieden. Und mein Mann, denke ich, auch. Zumindest hat er sich nie beschwert. Dann bekam ich im Abstand von jeweils zwei Jahren unsere drei Kinder.

Es ist doch klar, dass man danach nicht mehr so gertenschlank ist wie früher. Es mag ja sein, dass das manchen Frauen gelingt, das ist wohl auch eine Sache der Veranlagung.

Ich habe jedenfalls nach jeder Geburt ein paar Kilo zugelegt. Nicht, dass ich heute direkt fett wäre, aber die Hüftringe und der dicke Hintern lassen sich auch nicht wegdiskutieren.

Mein Mann tat anfangs so als mache ihm das gar nichts aus. "Ich liebe dich so, wie du bist, jedes Pfund von dir", ich habe noch im Ohr, wie er das sagte.

Doch in letzter Zeit merke ich, dass er meinen Körper mit einem gewissen Unwillen betrachtet und berührt. Er macht auch immer mal wieder so Bemerkungen wie: "Na, das Stück Torte lass doch mal lieber stehen." Oder: "Musst du denn spätabends noch so viel futtern?" Als wir neulich bei Bekannten zum Essen eingeladen waren und ich gefragt wurde, ob ich noch einen Nachschlag haben möchte, kam er mir zuvor mit den Worten: "Nein, Alexa ist auf Diät. Sie isst im Moment auch keinen Nachtisch."

Das war glatt gelogen, aber um des lieben Friedens Willen habe ich geschwiegen. Neuerdings macht mein Mann dauernd anerkennende Bemerkungen über die Figuren von Frauen im Fernsehen oder wenn wir zusammen unterwegs sind.

Ja, und dann gibt es da auch noch die neue Kollegin, die ebenfalls drei Kinder hat. Das sieht man ihr nicht an, und mein Mann lässt auch keine Gelegenheit aus, das zu betonen.

Natürlich wäre ich gerne ein paar Kilo leichter, doch ich will mich deswegen nicht quälen oder kasteien. Drei kleine Kinder zu versorgen ist beileibe kein Zuckerschlecken, da will ich mir nicht auch noch jeden Genuss versagen. Ich habe auch keine Zeit, in den Fitnessclub zu gehen oder regelmäßig eine Sportart auszuüben.

Leserfrage Partnerschaftsproblem Rüdiger, ihr Mann, sagt dazu:

Was hatte Alexa früher für eine Traumfigur! Meine Freunde haben mich immer um meinen "Fang" beneidet. Dass drei Schwangerschaften eine große Belastung für den Körper sind, ist mir schon klar. Dass Alexa danach ein bisschen zugelegte, damit hatte ich kein Problem.

Nur: Das ist jetzt schon ein paar Jahre her. Und seitdem ist sie immer weiter auseinander gegangen. Ich bin mir sicher: Sie könnte mehr aus ihrem Typ machen.

Andere Frauen schaffen das doch auch. Ich habe da z.B. diese Kollegin in meinem Betrieb - die hat auch drei Kinder, ist aber rank und schlank. Und arbeitet nebenbei sogar.

Aber das will Alexa nicht sehen. Schiebt immer alles auf die Umstände: die Belastung durch die Kinder, fehlende Zeit für Sport und was nicht alles.

Ich glaube, sie lässt sich schlicht und einfach gehen. Und weil ich will, dass sie sich aufrafft, etwas für sich zu tun, provoziere ich sie hier und da ein bisschen. Schließlich ist sie mir nicht egal, ich liebe sie doch! Was soll ich sonst machen?


Ich habe geantwortet:

Die Vorstellungen davon, wie ein schöner Körper auszusehen hat, wandeln sich mit der Zeit und der Kultur, in der wir leben. Es ist jedoch unsere ganz persönliche Entscheidung, ob wir uns zu dick, zu dünn, hässlich oder genau richtig sehen.

Eine schlechter Startpunkt zum Abnehmen ist es, wenn wir einem anderen Menschen zuliebe abnehmen wollen. Unsere Motivation steht dann auf schwachen Beinen.

Bekommen wir von ihm nicht genügend Zuwendung, ärgern wir uns über ihn oder trennt er sich von uns, dann können wir dies zum Anlass nehmen, wieder verstärkt zum Essen zu greifen und zuzunehmen.

Überhaupt sind wir gefährdet zu rebellieren, wenn wir glauben, zu etwas gezwungen zu werden.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns eigene Gründe geben, weshalb wir unser Essverhalten verändern möchten und unsere Ziele selbst setzen.

Wir dürfen das Abnehmen nicht mit "Kasteien" und "Genuss versagen" verbinden, denn sonst werden wir schnell "rückfällig".

Was Sie tun können

1. Sprechen Sie mit Ihrem Mann darüber, dass Sie es kränkt, wenn er ständig auf dem Gewicht herumhackt. Sagen Sie ihm, dass Sie gerne weniger wiegen möchten, und sagen ihm, wie er Sie darin unterstützen kann.

2. Überlegen Sie sich, ob es Möglichkeiten für Sie gibt, mehr Bewegung in den normalen Alltagsablauf einzubauen. Können Sie z.B. mit dem Rad zum Einkaufen fahren, die Treppen statt den Lift benutzen, etc?

3. Achten Sie beim Essen verstärkt auf das Genießen. Essen Sie langsam, konzentrieren Sie sich darauf, wie das Nahrungsmittel riecht und wie es sich im Mund anfühlt.

Eine größere Menge Essen führt nicht zu mehr Genuss. Machen Sie ab und zu eine Pause und horchen Sie in sich hinein, ob Sie noch Hunger haben.

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Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


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