ratgeber kränkungen

Aus meiner Ehe- und Paarberatung:

Mein Ex arbeitet in gleicher Firma wie ich

Leserfrage Partnerschaftsproblem Mona schildert folgendes Problem:

Ich habe ihr Buch Wenn der Partner geht gelesen. Sie schreiben Kontakte zum Ex-Partner meiden.

Mein Problem ist, dass wir den selben Arbeitgeber haben und beruflich sehr oft zusammen sind.

Wie kann ich mich verhalten?


Ich habe geantwortet:

Nach einer Trennung ist es zumindest in der ersten Zeit emotional aufwühlend und verunsichernd, wenn sich beide Partner begegnen.

Besonders schwierig wird es, wenn beide Partner am gleichen Arbeitsplatz arbeiten. Die Betroffenen können sich nur schwer oder gar nicht aus dem Weg gehen.

Außerdem wird erwartet, dass sie ihre Arbeit erledigen und ihre Leistung nicht beeinträchtigt ist.

Ein zusätzliches Problem sind die Kollegen, die mehr oder weniger mitbekommen, dass die Beziehung zu Ende ist. Sie sind vielleicht sogar Zeugen von heftigen Weinkrämpfen einer der Beteiligten oder lautstarken Auseinandersetzungen mit dem Ex-Partner.

Am besten ist es in einer solchen Situation, wenn einer der beiden Beteiligten sich aus der Abteilung versetzen lassen kann oder eine neue Arbeitsstelle sucht.

Oftmals ist dies jedoch nicht oder nicht so schnell möglich.

So bleiben nur die folgenden Strategien:

- Legen Sie am Arbeitsplatz offen, dass sie und Ihr Partner sich getrennt haben. Zum einen ist es die Realität und die Kollegen bekommen ohnehin mit, dass zwischen ihnen und Ihrem Ex-Partner etwas nicht stimmt.

Es kostet Sie auch unnötig Kraft, die Trennung verbergen zu wollen. Zum anderen hilft Ihnen die Offenlegung, sich auch selbst vor Augen zu führen, dass die Partnerschaft mit dem Ex-Partner zu Ende ist.

- Vermeiden Sie es, die Kollegen in mögliche Grabenkämpfe mit einzubeziehen und Ihren Ex-Partner schlecht zu machen. Sie bringen Ihre Kollegen damit in einen Loyalitätskonflikt.

Wenn Sie irgendwann einmal besser mit der Trennung zurechtkommen und Ihrem Ex-Partner gelassener begegnen können, dann bleibt bei diesen sonst vielleicht die negative Einstellung zu Ihrem Ex-Partner bestehen.

- Sprechen Sie mit Ihren Kollegen am Arbeitsplatz am besten wenig über die Trennung und Ihre momentane Verfassung - nur so viel, dass Ihre Kollegen Ihr verändertes Verhalten (Gereiztheit, Unkonzentriertheit, Weinanfälle, Wutausbrüche, Leistungsabfall, Vergesslichkeit, etc.) verstehen können.

Wenn Sie jeden Tag mit ihnen ausführlich über Ihre Gefühle wie Verzweiflung, Ängste, Einsamkeit und Wut sprechen, besteht die Gefahr, dass Sie aus der Fassung geraten oder gar zusammenbrechen. Sie nehmen sich auch die Möglichkeit, einen Ort zu installieren, an dem Sie Ihre momentane Krise ein wenig aus den Augen verlieren können.

- Überlegen Sie mit Ihren Kollegen, ob es vielleicht Aufgaben gibt, die ein Kollege für Sie übernehmen kann und Sie dadurch den Kontakt zu Ihrem Ex-Partner reduzieren können.

- Suchen Sie sich zum Austausch über Ihre momentane Situation Menschen außerhalb des Arbeitsplatzes. Wenn Sie keine Angehörigen und Freunde damit „behelligen“ möchten, dann nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe auf.

- Bereiten Sie sich jeden Tag mental aufs Neue auf das Zusammentreffen mit Ihrem Ex-Partner vor. Stellen Sie sich vor, es sei eine schützende Glaswand zwischen Ihnen und ihm. Sie können ihn sehen und sprechen, aber er kann nicht in Ihre Nähe kommen.

Sagen Sie sich innerlich: „Ich bin bereit, dich ziehen zu lassen. Unsere privaten Wege haben sich getrennt.“

- Beobachten Sie Ihre Gefühle während des Zusammentreffens mit Ihrem Ex-Partner wie von außen, ohne gegen sie anzukämpfen. Beispielsweise: „Jetzt fühle ich Wut in mir aufsteigen.“ „Jetzt stellt es mir fast den Atem ab.“

Sollten Sie sich von Ihren Gefühlen überwältigt fühlen, nehmen Sie sich die Freiheit, das Gespräch für den Augenblick abzubrechen.

- Bringen Sie Ihre Gedanken immer wieder auf die „Arbeitsschiene“. Erinnern Sie sich daran, welche berufliche Aufgabe Sie nun mit Ihrem Ex-Partner angehen wollen.

- Nehmen Sie während des Kontaktes mit Ihrem Ex-Partner eine aufrechte Körperhaltung ein. Diese hilft Ihnen dabei, sich stärker zu fühlen.

- Machen Sie vor und nach dem Zusammentreffen eine Atem- oder Entspannungsübung. So können Sie Ihre Anspannung reduzieren.

Etwas Gutes hat es aber auch, wenn Sie beruflich gezwungen sind, Kontakt mit dem Ex-Partner zu haben: Dadurch dass Sie den Kontakt nicht vermeiden können, baut sich keine Hürde vor einem ersten Zusammentreffen auf.

Außerdem können Sie sich darin üben, ihn loszulassen und eine eher neutrale, gleichgültige Beziehung zu ihm aufzubauen.


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Was mich besonders motiviert ist der Wunsch, dass Menschen ihre Fähigkeit entdecken, besser mit sich und anderen auszukommen. Das ist auch das Ziel meiner Ratgeber.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu und der Kuchenbäckerei.


newsletter

© 2015-2016 Partnerschaft - Eheberatung bei Partnerschaftsproblemen
Haftung/Copyright/Impressum/Datenschutz