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Gründe, die gegen eine Trennung sprechen könnten.

Autorin: © Dr. Doris Wolf, Diplom-Psychologin

Manche Menschen entscheiden sich schnell aufgrund eines einmaligen Fehlverhaltens ihres Partners, z.B. eines Seitensprungs, zur Trennung.

Manche sammeln über Jahre hinweg das Für und Wider einer Trennung und versuchen, ganz objektiv an die Sache heranzugehen. Sie haben Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen.

Wieder andere lenken ihren Blick nur noch auf das, was ihnen am Partner missfällt. Sie legen sich sozusagen eine schwarze Liste mit all den negativen Eigenheiten und Verhaltensweisen ihres Partners an, bis irgendwann dann das Fass überläuft und sie sich zu einer Trennung entscheiden.

Wenn wir unseren Blick nur noch auf das lenken, was uns an unserem Partner stört, besteht die Gefahr, dass wir das, was für unseren Partner und unsere bestehende Partnerschaft spricht, übersehen.

Wir betrachten unseren Partner mit einem dicken Vorurteil, dass er nämlich ein schlechter Partner ist, z.B. nicht genügend für uns tut, uns nicht zuhört, nicht respektiert, sich nicht für uns interessiert, nur mit uns streitet, usw.

Generell ist es so, dass wir das, worauf wir unseren Blick richten, auch mit großer Wahrscheinlichkeit finden. Suchen wir nach Nachteilen in unserer Partnerschaft, werden wir diese finden.

So kann unser Partner "keinen Stich mehr bei uns machen" und wir kommen zu der Schlussfolgerung, nur ein neuer Partner verspreche uns eine Verbesserung unserer Lage.

Im Folgenden möchte ich Ihnen deshalb mögliche Gründe nennen, die Sie in die Waagschale werfen könnten, wenn Sie an eine Trennung oder Scheidung denken.

Was gegen eine Trennung sprechen könnte

Vertrautheit mit Ihrem Partner

Im Laufe Ihrer Partnerschaft haben Sie Ihren Partner gut kennengelernt.  Sie beide haben Gewohnheiten und Rituale entwickelt, wie sie den Alltag leben und bewältigen.

Auch wenn Ihnen viele dieser Gewohnheiten nun vielleicht bitter aufstoßen, so können diese auch verdeckte Vorteile haben.

Bedenken Sie auch, dass das, was Sie nun an Ihrem Partner stört, Sie vielleicht anfangs an ihm begeistert hat.

1. Sie kennen seine Eigenheiten, wie er es mit Ordnung, Pünktlichkeit, Unterstützung im Haushalt, Geld ausgeben, Hygiene, etc. hält.

2. Sie kennen seine Vorlieben beim Sex, er kennt Ihre. Sie wissen, wie Sie ihn im Bett an- und abtörnen können. Das mühsame Erahnen sexueller Wünsche bleibt erspart.

3. Sie wissen, wie er morgens ungekämmt und nackt aussieht. Ihr Partner kennt Sie nackt und ungeschminkt.

4. Sie haben ihn mit allen Sinnen erfasst, wissen, wie er riecht, sich seine Haut und seine kleinen Speckfalten am Bauch anfühlen.

5. Sie kennen seine Lieblingsgerichte, was er für abscheulich hält und wie bei ihm zuhause gekocht wurde.

6. Sie wissen, was Sie tun müssen, damit er ärgerlich reagiert und aus der Fassung gerät.

7. Sie kennen bereits die Streitpunkte und wissen, welche Kompromisse möglich sind.

8. Sie wissen bereits, über welche Themen er nicht reden will, wie er bei Stress reagiert und wann der günstigste Augenblick für ein Gespräch über ernste Themen ist.

9. Die Reviere in der Wohnung sind bereits aufgeteilt. Es ist festgelegt, wer, wo und wie seine Sachen ablegt und wer wo sitzt.

10. Ihr Partner kennt Ihre Schwächen und Sie brauchen sich nicht hinter einer Maske verbergen oder unter Druck setzen, anders sein zu müssen, als Sie sind.

11. Sie kennen seine Stärken und worauf Sie stolz sein können.

12. Sie wissen, was Sie tun können, um ihm eine Freude zu machen.

13. Sie wissen, wann er schwach wird und Ihnen Ihre Wünsche erfüllt.

14. Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit und können sich erzählen: "Weißt du noch damals, wie wir ....".

15. Sie wissen, wer beim Versöhnen den Anfang macht und was sie sich sagen.

16. Sie kennen ihre gemeinsamen Ziele, Wünsche und ihre Wertvorstellungen.

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17. Sie kennen die Schwiegereltern, ersparen sich eine neue "Vorstellungsrunde"

18. Ihre Eltern haben Ihren Partner bereits genehmigt und abgesegnet.

Der neue Partner

19. Die Chancen sind groß, dass Sie sich wieder einen Partner mit ähnlichem Strickmuster auswählen und dann mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie in Ihrer momentanen Partnerschaft.

Eigener Anteil

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einer Trennung


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20. Ihre Unzufriedenheit mit der Partnerschaft könnte auch mit Ihrem eigenen Verhalten zu tun haben. Wenn Sie sich z.B. in der jetzigen Partnerschaft nicht trauen, Ihre Wünsche zu äußern, Nein zu sagen oder eigenen Interessen nachzugehen, schaffen Sie es in einer neuen Beziehung wahrscheinlich auch nicht.

21. Zufriedenheit entsteht in Ihrem Kopf. Übergroße Erwartungen an den Partner führen zu Enttäuschung, Traurigkeit und Ärger. Ihren Partner können Sie nicht ändern, wenn er nicht dazu bereit ist. Ihnen steht es jedoch frei, Ihre Erwartungen zu überprüfen und möglicherweise zu verändern. Sie können lernen, Ihren Partner so zu anzunehmen, wie er ist.

Letztendlich müssen Sie "Herz und Vernunft" mit einbeziehen, wenn Sie an eine Trennung denken.

Wenn Sie keine Liebe mehr für Ihren Partner empfinden, ihm nicht mehr vertrauen, ihn nicht akzeptieren können, wie er ist und sich verhält, und wenn Ihre wichtigsten Bedürfnisse nicht erfüllt werden, dann stehen die Zeichen auf Trennung.

Dann bietet Ihnen eine neue Partnerschaft die Chance, die Vertrautheit und Gewohnheiten mit einem neuen Menschen aufzubauen.

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